Der härteste (Wett-)Kampf meines Lebens

Ein Wettkampf oder doch ein Kampf? Irgendwie erlebte ich gestern beim 32. Allgäu Triathlon beides…

Als ich morgens gegen 5 Uhr mit einem leichten Krampf in der Wade aufwachte schwante mir bereits böses…doch ich gab nicht viel darauf, frühstückte und packte meine Sachen zusammen. Im strömenden Regen ging es dann zum Rad Check-In und zur Abgabe der Laufbekleidung in Bühl am Alpsee. Dank der genialen Lage des Hauses unseres Couchsurfinghosts konnte ich dann noch einmal kurz zurück ins Warme.

Startnummer 61

Dort ging es dann auch schon in den Neo und runter zum Schwimmstart. Bereits auf dem Weg zum Wasser, spürte ich meine Füße kaum noch. Das war wohl vor allem der Außentemperatur von ca. 10 Grad geschuldet. Dann ab ins 16,6 Grad „warme“ Nass…ein bisschen Einschwimmen und schon ging es für uns Damen los  (Jagdstart der Männer 37 min später) auf die 1,9 km lange Schwimmstrecke im Alpsee. Leider verfehlte ich die Ideallinie ziemlich arg und driftete nach außen ab…gefühlt legte ich so sicher 300 m mehr zurück. Im nächsten Freiwassertraining muss ich dringend die Orientierung üben…Viel schlimmer waren jedoch die (nahezu) Krämpfe, die mich bereits auf den ersten 500 Metern plagten. Immer wieder musste ich komplett ohne Beine schwimmen.

War zwischenzeitlich sogar blauer Himmel zu sehen gewesen, regnete es beim Schwimmausstieg (47 min) doch schon wieder. Also schnell in die Wechselzone und ins Umkleidezelt. Dort wurde uns dank der zahlreichen Helfer sogar aus den Neos geholfen oder Armlinge übergestülpt. Was für ein Service! Ich entschied mich für Radtrikot, Armlinge und ein Cap. Eine gute Wahl wie sich später zeigte. Allerdings wären Überschuhe noch toll gewesen! Im Regen ging es dann durch Immenstadt auf den von Zuschauern vollen Kalvarienberg (16 % Steigung). Nach einer schnellen Abfahrt ging es auf die alte Bundesstraße, wo ordentlich geheizt werden konnte. Doch selbst hier spürte ich meine rechte Hand noch immer nicht. Im nächsten Ort die engen Radwegserpentinen auf den nächsten Hügel und weiter immer weiter Richtung Niedersonthofen. Denn dort wartete die wahre Herausforderung auf uns: Der 300 m lange Aufstieg nach Diepholz. Hier wurde ich dann auch von Faris Al-Sultan und Co. überholt…na immerhin erst nach 15 Kilometern. 😉 Was im See begann, hörte auf dem Rad leider nicht auf. Immer wieder zwackte der rechte Oberschenkel leicht. Dann die Abfahrt nach Missen, der Wendepunkt und über Zaumberg ab auf die zweite Runde.

Dann endlich, es hörte tatsächlich auf zu regnen und die Straßen begannen sogar zu trocknen. Juche. Meine Füße spürte ich zwar noch nicht, doch die Hände hatten nun wieder 100 % Gefühl. Nun waren noch viel mehr Zuschauer am Kalvarienberg, wo unser Couchsurfinghost die Moderation übernahm. Ein klasse Gefühl sich dort durch das Spalier hoch zu quälen und dabei namentlich angefeuert  zu werden. Ähnliches beim leichten Anstieg im nächsten Ort…bis plötzlich meine Kette vom Blatt sprang. Damn. Was tun? Der Moderator bat die Zuschauer mich zu unterstützen und ehe ich mich versah, saß ich auch schon wieder auf dem Rad. Der zweite Anstieg nach Diepholz hatte es dann auch in sich. Hier gab es noch einmal eine letzte kurze Regenpassage bevor es endlich sonnig wurde. So konnte ich die zweite Abfahrt auch glücklicherweise etwas schneller angehen. Mit meiner Radzeit von 3:49 h für die 92 Kilometer und 1.400 Höhenmeter bin ich also sehr zufrieden – wenn man die widrigen Umstände betrachtet.

Nach einem schlammigen Wechsel ging es also auf die Laufstrecke. Ich merkte bereits bei den ersten Schritten, dass das ein langer Kampf werden würde. Bereits auf den ersten Metern spürte ich wieder meinen Oberschenkel zwacken. Dann kamen die Waden hinzu. Immer wieder musste ich anhalten und mich dehnen… Nach 4 Kilometern spürte ich dann auch endlich meine Füße wieder und hatte die Hoffnung mit der nächsten Verpflegungsstelle auch wieder die nötige Energie für den Rest der Laufstrecke zu erhalten. Ein wenig halfen Wasser, Isogtränke und Traubenzucker….doch irgendwie kam dann noch ein Hungerast hinzu und wieder dieses unglaubliche Zwicken und Zwacken in den Beinen. Das hatte ich so noch nie erlebt – weder bei meinen anderen Mitteldistanzen noch beim Marathon. Help – was tun? Ein Stück Gehen? Hm, ich probierte es, aber so richtig besser machte es die Sache nicht. Irgendwie schaffte ich es mich durch die erste Runde zu quälen und hach bei Kilometer 12 fand ich endlich in meinen Tritt.

Ich fühlte mich zunehmend besser – bis es wieder zwackte. Damn!! Dennoch konnte ich noch 2 Mädels überholen. Wenigstens etwas. 🙂 Auch eine Konkurrentin überholte ich noch bei Kilometer 20. Doch was dann geschah war wirklich das blödste, was passieren konnte. Ein übler Krampf in der rechten Wade. Ich probierte es mit Dehnen, mit extremen Fersenlauf, mit Gehen…nichts half so wirklich. Irgendwie schleppte ich mich dann noch ins Ziel und war so glücklich wie noch nie zuvor, durchgehalten und nicht aufgegeben zu haben! Zur Belohnung gab es den 7. Platz in meiner Altersklasse sowie den 34. der Damengesamtwertung, eine schicke Medaille und ein cooles Hoodie. Yeah! Das hat sich gelohnt.

Im Ziel

Nach einer wirklich bitter nötigen Massage und einer schönen heißen Dusche gingen wir dann noch kurz im Ort essen und verabschiedeten uns auch schon wieder von unserem netten Host. Jetzt heißt es Regenerieren, denn am Freitag geht es bereits wieder nach Bayrischzell zum Adventure Race. 🙂

PS: Mehr Fotos findet ihr übrigens hier (Startnr. 61 eingeben).

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