Walser Trail Challenge (Classic) 2017

Die Walser Trail Challenge bietet mit ihren vielfältigen Wettbewerben die idealen Bedingungen für Einsteiger, Etappenrennenneulinge und Läufer unterschiedlichen Niveaus, die gemeinsam bei einem Wettkampf starten möchten. Dieser Artikel spiegelt meinen Eindruck von diesem tollen Wettbewerb wieder und wurde in keinster Weise beeinflusst oder gesponsert.

Ende April startete ich spontan beim Innsbruck Alpine Trailrun Festival über die Kurzdistanz von 25 km (25. Frau, 18. AK). Wetterbedingt wurde diese geändert und enthielt dadurch leider einen recht hohen Asphaltanteil. Eine Woche später hieß es beim Heimspiel, dem Trollinger Halbmarathon auch Asphalt pur. Immerhin sprang dabei eine neue persönliche Bestzeit mit 1:39 und ein 3. Platz in der AK (22. Frau) heraus, was doch auch Lust auf einen flachen Halben macht.

Mein Hunger auf einen weiteren echten Trail war dadurch aber noch nicht gestillt. Zwar bietet meine Wohngegend ein paar fabelhafte und sehr flowige Trails im Wald, doch der Ausblick beschränkt sich dabei stets auf Wälder und Weinberge. Statt Steinböcken und Murmeltieren gibt es hier Feldhasen und Rehe. Definitiv toll, aber nicht dasselbe. 😉

Sehr spontan startete ich also nach meiner Dienstreise beim Km Vertical in Fuente Dé (Picos de Europa). Was für ein verrücktes Ding! In einer Stunde rannte ich knapp 1.000 Hm auf nur 2,6 km hoch. Da es ein absolutes Eliterennen (Teil des World Circuit) war, war ich sehr dankbar, dass ich überhaupt teilnehmen durfte. Immerhin bin ich nicht letzte Frau geworden und viel wichtiger: Der erste Mann, der eine Zeit von nur 33 Minuten benötigte, hat mich nicht überholt (die Frauen starteten eine halbe Stunde vor den Männern). Wahnsinn, was die Profis drauf haben. Sie fliegen regelrecht nach oben und ins Ziel auf gut 2.000 Metern Höhe!

Als (geplante) Vorbereitung für den Dolomiti di Brenta Trail Anfang September sollte also in diesem Jahr die Walser Trail Challenge herhalten. Am ersten Tag wird der Widderstein Trail mit 15km und knapp 1.000 Hm gelaufen während am zweiten Tag beim Walser Trail 29 Km mit knapp 1.900 Hm und auf der Ultra Strecke 65 km mit 4.200 Hm bewältigt werden müssen.

Es gibt Einzelwertungen für die drei Wettbewerbe und eine Gesamtwertung für Teilnehmer beider Tage (Classic + Ultra). Mich stellte mein erster Zweitageswettkampf vor allem vor die große Herausforderung der Dosierung am ersten Tag. Schnell, aber nicht zu schnell wollte ich sein. Die Beinchen hatten am nächsten Tag ja noch eine deutlich längere Strecke zu bewältigen. Spontan kam mit Darmproblemen auch die Herausforderung der Energiezuführung auf mich zu. Sowas unnötiges!

Widderstein Trail

Am Samstag um 10 Uhr fiel der erste Startschuss in Baad (Mittelberg). Wir wurden auf die 15 km lange Strecke des Widderstein Trails geschickt, die zunächst 4 mehr oder minder flache Kilometer abspult, um dann einen steilen, etwa 4,5 Kilometer langen Anstieg mit ca. 700 Hm zu überwinden. Das bedeutete auch: Einsortieren, denn auf dem Anstieg ist das Überholen nur schwer möglich und man läuft gezwungenermaßen das Tempo der Läufer vor einem.

Da es ziemlich heiß war, war ich sehr dankbar für die Verpflegungsstation mit Brunnen direkt vor dem Anstieg. So konnte der Körper noch einmal herunter gekühlt und die Stöcke „in Ruhe“ ausgepackt werden. Der Aufstieg erfolgt auf einem langen und teils felsigen Single Trail hoch zur Widderstein Hütte auf 2.009 m bevor ein zum Teil matschiger Downhill gen Ziel kommt. Meine Downhillqualitäten lassen leider noch zu Wünschen übrig, weshalb ich auf dem rutschigen Terrain häufig die Stöcke benutzen musste. Lediglich die letzten 1,5-2 km konnte ich gut laufen. Hier befanden wir uns allerdings auch auf einer wenig anspruchsvollen Forststraße.

Insgesamt war das Flair beim kurzen Widderstein Trail doch recht wettkampfgeladen. Ein komplett anderes Gefühl als beim Karwendelmarsch 2016 (vgl. Bericht hierzu) breitete sich dadurch aus. Und doch waren die Helfer und Fans im Kleinwalsertal mindestens so toll! Insgesamt lief ich übrigens als 30. Frau und 5. AK ein.

Walser Trail

Nach einer ordentlichen Portion auf der Rolle (die Recovery Roll R8 ist wirklich sehr zu empfehlen!) und einem leckeren Abendessen frei nach dem Motto: Mal einfach nur essen, worauf man Lust hat (= Pizza) ging es dann auch bald ins Bett. Leider zeigte sich am nächsten Morgen, dass ich immer noch nicht wirklich fit war. Die Energie wollte einfach nicht in meinem Körper bleiben.

Dies zeigte sich auch auf den ersten Kilometern des Walser Trails, die schön stetig bergauf gehen. Wir liefen den Downhill vom Vortag einfach umgekehrt. Zwar war das Wetter wieder blendend wie bereits am Samstag, doch in der Nacht hatte es ordentlich geregnet. Leichter wurde es also nicht. Leider spürte ich meine Energielosigkeit auch deutlich. Zusammen mit dem anspruchsvollen Terrain stürzte ich sogar zwei Mal. Glücklicherweise aber nie schlimm.

Ab der Mindelheimer Hütte klappte es dann auch mit der Energiezuführung und ich kam endlich zu Kräften. Auf dem letzten Anstieg gen Fiderescharte (2.198 m) konnte ich sogar einige überholen. Dann wartete ein Downhill über ein Geröllfeld auf uns, der absolute Konzentration erforderte. Hier wurde ich dann auch von einem Ultraläufer überholt. Wahnsinn, dachte ich mir, der hat schon 36 Kilometer mehr in den Beinen und wirkt immer noch so fit. Nach der letzten Verpflegungsstation wartete noch ein Highlight auf uns: Anstatt auf dem Wanderweg liefen wir auf einem alten Hirtenweg gen Tal. Eine klasse Sache, aber mit dem matschigen Untergrund und dem hohen Gras abermals recht fordernd.

Nachdem diese „Hürde“ überwunden war, ging es auf der winterlichen Talabfahrt und sommerlichen Schotterpiste weiter nach unten. Für mich dennoch etwas zu steil, so dass ich es nicht wagte, „es rollen zu lassen“. Ganz anders als die erste Frau auf der Ultradistanz, die mich nun überholte. Ich habe noch nie jemanden mit solch einer Sicherheit den Berg runterfliegen sehen. Wirklich klasse, wie sie quasi ins Tal schwebte. Ich hingegen war froh, als die Schotterpiste in Asphalt überging, denn das bedeutete nur mehr 1 km bis zum Ziel. In Riezlern feuerten zudem einige Passanten und viele der Finisher an, was einen Extraantrieb verlieh. Nach 5:18 war ich somit als 21. Frau (10. AK) im Ziel.

Nachdem natürlich nicht alle Starter des Widderstein Trails und des Walser Trails beide Läufe absolviert hatten, sprang am Ende sogar eine Top10-Platzierung für mich als 9. Frau (71. gesamt) heraus. 🙂

Viele wichtiger als Zeiten ist aber die Region, die ich durch diese Veranstaltung kennen gelernt habe. Mir hat es so gut gefallen, dass ich gleich nochmal ins Kleinwalsertal fahre. Natürlich auch wieder, um Berge hoch und runter zu rennen – diesmal aber ohne Zeitnahme und mit einer Hüttenübernachtung! Nun im Nachgang hierzu noch die Daten zur Tour (44 km, 3.100 Hm).

 

Die wichtigsten Fakten zur Walser Trail Challenge:

  • Einzelrennen über 15, 29 und 65 km
  • technisch anspruchsvoll
  • empfehlenswerte Ausrüstung: Stöcke (v. a. bei Matsch) und für den Sonntag eigene Verpflegung (längere Teilstücke ohne Wasser)
  • Langschläfer geeignet (Starts um 10 und 11 Uhr bei der Trail Challenge Classic)
  • familiäres Flair
  • Anreise mit dem Auto und dann unbedingt weiter mit dem Bus
  • Unterkunft am besten in Riezlern oder Mittelberg
  • Anmeldung auch bis wenige Wochen zuvor möglich
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5 Kommentare zu „Walser Trail Challenge (Classic) 2017“

  1. Sehr schöner Bericht 😊 Wenn du mir zeigst, wie man ordentlich die Berge hoch rennt, kann ich dir bisschen Downhill zeigen 😁😎 Freu mich auf einen gemeinsamen Run 😊 Grüßle Claudi

  2. Hi Sandra toller Bericht, schööööön zu lesen da bekomme ich richtig Lust und Heimweh auf meine Berge Zuhause….Güsse aus dem Pott ! Wann bist mal wieder „Garmin“ online habe dir eine Einladung zugeschickt 😉

  3. Toller Bericht! Das ist ein Lauf, den ich schon immer mal machen wollte – aber das hat bislang aus Gründen von Terminkollisionen nie klappen wollen – spätestens übernächstes Jahr ist er aber „dran“.
    Und herzlichen Glückwunsch zu der super Leistung!!

  4. Danke 🙂 Das Gebiet lohnt sich auch auf jeden Fall zum „einfach so“ besuchen!

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