Sanctuary 50 – ein Rennen wie kein anderes

55 km, 4.200 Hm, keine Streckenmarkierung, insgesamt 5 Verpflegungspunkte. Zwar wird die Ankunftszeit im Ziel notiert, doch ist diese nur von minderer Bedeutung. Das Ankommen zählt – denn dafür gibt es eine riesige und ziemlich coole Medaille. Zum Glück ist das dank einem Zeitlimit von 15 Stunden auch definitiv realistisch.

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Das ist das Sanctuary 50 im tiefsten Bayern. Genauer gesagt in Geitau bei Bayrischzell (Nähe Tegernsee). Das Rennen wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgetragen. Der Veranstalter ist begeisterter Ultraläufer und möchte mit diesem Lauf der Trailcommunity die wunderschöne Gegend rund um Wendelstein und Rotwand zeigen. Damit das Ganze organisatorisch auch stemmbar ist und eine ganz spezielle Spezies der Trailrunner anzieht, wird das Rennen im Stil des berühmten Hardrock 100 durchgeführt. Als Läufer ist man also möglichst autonom unterwegs. Eine Pflichtausrüstung gibt es nicht. Doch nun zum Lauf selbst.

Nach dem Montafon Totale Trail hatte ich keine weiteren fixen Termine im Laufkalender stehen und fragte ein bisschen rum, welche familiären Läufe mit ähnlich vielen Höhenmetern es denn so gäbe. Gleich 3x lautete die Antwort Sanctuary 50. Da ich davon noch nie zuvor gehört hatte, recherchierte ich also etwas. Die Suche fiel allerdings recht knapp aus, da es kaum Informationen dazu gab. Die Erkenntnis: Ein Rennen ohne Streckenmarkierung in einer tollen Landschaft mit ordentlich Höhenmetern. Also so ziemlich das, was ich suchte. Nach einem Bedenktag meldete ich mich spontan zu meinem 3. Ultralauf an, der schon eineinhalb Wochen später stattfand.

Die Kommunikation mit dem sich rührend kümmernden Veranstalter machte das Organisatorische recht leicht. Er empfahl für die Übernachtung das DAV Haus in Hammer, wo er zwei andere Läufer und mich sogar morgens um 6:15 Uhr abholte und zum Start nach Geitau fuhr. Dort angekommen gab es erstmal ein ordentliches Frühstücksbuffet mit allem, was das Herz begehrt. Da ich nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr inzwischen auf ein trinkbares Frühstück schwöre, welches ich bereits im Haus Hammer eingenommen hatte, nahm ich nur eine Tasse Kaffee. Schnell noch den Rucksack gerichtet, die Drop Bag abgegeben und schon ging es los. Mit 16 weiteren Läuferinnen und Läufern startete ich also um 7 Uhr auf die Strecke. Viele von ihnen waren richtig alte Hasen in der Ultraszene, fast alle hatten zumindest bereits mehr als 2 Ultras gefinisht.

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Da die Steigung auf den ersten 2 Kilometern noch erträglich war, dachte ich sogar, ich könnte an der vor mir laufenden 3 Mann und 1 Frau starken Gruppe dran bleiben. Als es dann zunehmend steiler her ging, legte ich diese Pläne schnell aufs Eis. Schließlich wollte ich nicht alles schon am Anfang verpulvern. Als der Forstweg dann in einen schmalen Pfad überging zeigte sich zudem, dass die Läufer vor mir quasi in den Bergen zuhause waren (die späteren Gespräche bestätigten dies übrigens). Technisch konnte ich definitiv nicht mehr mithalten. Das störte mich auch nicht, aber so ganz alleine zu laufen birgt bei einem solchen Lauf natürlich auch die Gefahr des Sichverlaufens.

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Glücklicherweise löste sich dieses Problem kurze Zeit später von ganz alleine. Nach einer längeren Kraxelstelle war mit dem Aiplspitz der erste von sieben Gipfeln erreicht. Doch ich stand nicht wie vermutet alleine dort oben. Ein Mitläufer hatte mich wohl beim Aufstieg ein und im oberen Bereich als sich der Weg gabelte auch überholt. Nach einer kurzen Fotosession wollte ich ihm den Vortritt lassen, doch er blieb hinter mir. So kamen wir ins Gespräch und im weiteren Verlauf zeigte sich, dass unser Tempo ganz gut harmonierte. Dass vier Augen und zwei Uhren beim Orientieren besser sind, stellten wir auch einige Male fest. Denn es ging nicht dem Wanderweg folgend hinab, sondern über eine Kuhwiese und dann scharf links ab auf einen Wiesentrail. Hier war das erste Mal der Orientierungssinn gefragt.

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Nachdem es die Tage vor dem Lauf sehr viel geregnet hatte, waren die Wege teilweise nicht mehr erkennbar, sondern er in kleine Sümpfe verwandelt. Bergab konnte ich es allerdings mit meinen begrenzten Downhillfähigkeiten im steilen Gelände eh nicht ganz so sehr rollen lassen. Der nächste Anstieg wartete alsbald und es ging hinauf zum Hochmiesing (Oneway und Retour) und weiter zur Rotwand. Den Abschnitt zwischen diesen beiden kannte ich noch von meiner Zeit in München als ich dort einmal wandern war. Das gab etwas Sicherheit beim Orientieren. Nach einem kurzen gut laufbaren Downhill ging es weiter zur Auerspitz, von der aus man einen tollen Blick ins Tal und auf den Soinsee hat.

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Über viele gut laufbare Wege führte die Strecke nun zum großen Verpflegungspunkt bei der Niederhofer Alm. Dort hatten wir ein Freigetränk und eine Brotzeit gut. Mein Laufpartner und ich waren uns jedoch schnell einig, dass wir nur etwas trinken würden. Ich nahm während dem Lauf immer wieder einen Bissen von meinem Riegel während er sich ausschließlich mit iostonischen Getränken versorgte. So fiel unsere Pause an der Alm etwas kürzer aus und wir machten uns alsbald auf den Weg zum letzten Gipfel auf dieser Talseite, den Seebergkopf.

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Nachdem es nun auch wärmer wurde, war der im Schatten liegende Weg nach oben Gold wert. Lediglich das letzte Stück war in der Sonne. Hier waren auch überraschend viele Wanderer unterwegs – vermutlich ist das von Bayrischzell aus der Gegenpol zum beliebten Wendelstein, auf den Seil- und Zahnradbahn führen. Nach einem zum Teil recht steilen Downhill erreichten wir den Parkplatz, wo unsere Drop Bags im Kofferraum auf uns warteten. Endlich Sonnencreme und endlich etwas Cola und Brezeln – der Hunger zeigte sich nun doch langsam bei mir. Während ich noch aß gingen wir weiter durch den Ort und querten damit das Tal. Auf der anderen Seite wartete der zweite lange Anstieg des Tages auf uns.

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Unser Weg hinauf zum Wendelstein führte über den König-Maximilians-Weg, den ich bereits von einem früheren Adventure Race kannte. Ein langer, aber zum Glück auch sehr schöner Pfad, der einen zunächst zu den Wendelstein Almen führt. Dann geht es links ab und nur ein paar Höhenmeter später erreicht man die Bergstation der Seilbahn. Entsprechend viel ist hier auch los. Deshalb gingen wir schnell weiter zum Gipfel, der über befestigte Serpentinen erreicht wird. Unterwegs kam uns ein anderer Läuferentgegen, der den richtigen Abstieg nicht fand. Hier zahlte sich meine Kopie der DAV-Karte abermals aus. Anhand dieser erklärte ihm die Bergwacht den Weg. Wir fanden den richtigen Weg zum Glück direkt ohne Probleme.

DCIM100GOPRODer Abstieg ging allerdings sehr steil über ein Geröllfeld, weshalb an ein Laufen nicht zu denken war. Der Steig ging dann in einen Wanderweg über, der im Wald dann auch endlich wieder laufbar wurde. Auch hier war Orientierungssinn gefragt. Wir wurden abermals auf einen nicht beschilderten Abschnitt geleitet. Diese Wege machen den Lauf zu dem, was er ist. Man fühlt sich ein wenig wie Kolumbus und freut sich einfach, fernab des Mainstreams auf zum Teil wilden Wegen unterwegs zu sein. Auch beim Training zuhause sind das die erfüllendsten Momente: Das Entdecken neuer Trails. Unser versteckter Weg führte uns perfekt laufbar hinab in eine Senke am Bach.

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Dort trafen wir wieder auf verschiedene Wanderwege und unseren Aufstiegspfad zum Breitenstein. Mitten im Wald befanden wir uns plötzlich inmitten einer Kuhherde. Da wir bereits beim Abstieg vom Seebergkopf ein fragwürdiges Erlebnis mit einer Kuh hatten, wählten wir diesmal den Umweg durchs Unterholz. Weglaufen wäre an dieser Stelle definitiv nicht machbar gewesen. Nachdem wir dem Wald den Rücken gekehrt hatten, wartete auch die letzte Verpflegungsstelle auf uns. Wir erfuhren, dass die erste Frau wohl soeben ins Ziel einlaufen würde und der erste Mann schon eine gute Stunde dort sei – wow, supergut! Doch auf uns wartete noch ein letzter Anstieg. Der Breitenstein wird in der Regel von Fischbachau aus begangen, was man beim Abstieg merkt. Viele der Felsen waren recht speckig. Entsprechend war ich wieder einmal sehr vorsichtig aka langsam unterwegs. Aber immerhin hat sich diese Vorsicht bezahlt gemacht – keine Stürze oder Verletzungen!

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Nach dem wir abermals eine Kuhherde passiert hatten ging es wieder in den Wald – allerdings konnten wir den Schleichweg am Schluss nicht finden, weshalb wir einen kleinen Umweg über den Wallfahrtsort Birkenstein in Kauf nahmen. Nach 11 Stunden und 55 Minuten erreichten wir dann das Ziel am wunderschönen Hasenöhrl Hof in Geitau, wo wir am Morgen gestartet waren. Das Besondere: Die Medaille bekamen wir von der Oma des Veranstalters höchstpersönlich umgehangen. Familiärer geht es kaum! Die neun Läufer, die bereits im Ziel waren, wirkten alle noch recht fit – manche sahen gar aus, als hätten sie gar nichts groß gemacht an diesem Tag. Da konnten wir uns nicht einreihen. Wir waren sehr glücklich mit unserem Getränk und der Portion Finishernudeln. Da es alsbald recht frisch wurde, machten wir uns jedoch verhältnismäßig früh auf den Weg zurück zu unseren Unterkünften.

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Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung und ein Erlebnis, das sich definitiv eingebrannt hat! Wer physisch fit ist. und etwas Orientierungssinn hat, sollte auf jeden Fall mitmachen.

Ergebnisse und weitere Berichte

Die wichtigsten Fakten zum Sanctuary 50:

  • Einzelrennen über 55 km und 4.200 Hm
  • technisch zum Teil sehr anspruchsvoll
  • Schwindelfreiheit ist ein Muss
  • empfehlenswerte Ausrüstung: Stöcke, Verpflegung, Flask (viele Quellen unterwegs), GPS-Uhr, ggf. Printkarte
  • sehr familiäres Flair
  • Anreise mit der Bahn unkompliziert von München aus
  • Unterkunft am besten im DAV Haus Hammer (in Hammer gibt es auch einen Edeka)
  • Tipp: Am Tag danach zum Beispiel beim Hasenöhrl Hof frühstücken und später beim Café Winkstüberl Kuchen essen und dann die schöne Gegend rund um den Schliersee erkunden
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