Alle Beiträge von Sandra Holte

Exploring the world as a runner, traveler and outdoor enthusiast

Sanctuary 50 – ein Rennen wie kein anderes

55 km, 4.200 Hm, keine Streckenmarkierung, insgesamt 5 Verpflegungspunkte. Zwar wird die Ankunftszeit im Ziel notiert, doch ist diese nur von minderer Bedeutung. Das Ankommen zählt – denn dafür gibt es eine riesige und ziemlich coole Medaille. Zum Glück ist das dank einem Zeitlimit von 15 Stunden auch definitiv realistisch.

IMG_0216

Das ist das Sanctuary 50 im tiefsten Bayern. Genauer gesagt in Geitau bei Bayrischzell (Nähe Tegernsee). Das Rennen wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgetragen. Der Veranstalter ist begeisterter Ultraläufer und möchte mit diesem Lauf der Trailcommunity die wunderschöne Gegend rund um Wendelstein und Rotwand zeigen. Damit das Ganze organisatorisch auch stemmbar ist und eine ganz spezielle Spezies der Trailrunner anzieht, wird das Rennen im Stil des berühmten Hardrock 100 durchgeführt. Als Läufer ist man also möglichst autonom unterwegs. Eine Pflichtausrüstung gibt es nicht. Doch nun zum Lauf selbst.

Nach dem Montafon Totale Trail hatte ich keine weiteren fixen Termine im Laufkalender stehen und fragte ein bisschen rum, welche familiären Läufe mit ähnlich vielen Höhenmetern es denn so gäbe. Gleich 3x lautete die Antwort Sanctuary 50. Da ich davon noch nie zuvor gehört hatte, recherchierte ich also etwas. Die Suche fiel allerdings recht knapp aus, da es kaum Informationen dazu gab. Die Erkenntnis: Ein Rennen ohne Streckenmarkierung in einer tollen Landschaft mit ordentlich Höhenmetern. Also so ziemlich das, was ich suchte. Nach einem Bedenktag meldete ich mich spontan zu meinem 3. Ultralauf an, der schon eineinhalb Wochen später stattfand.

Die Kommunikation mit dem sich rührend kümmernden Veranstalter machte das Organisatorische recht leicht. Er empfahl für die Übernachtung das DAV Haus in Hammer, wo er zwei andere Läufer und mich sogar morgens um 6:15 Uhr abholte und zum Start nach Geitau fuhr. Dort angekommen gab es erstmal ein ordentliches Frühstücksbuffet mit allem, was das Herz begehrt. Da ich nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr inzwischen auf ein trinkbares Frühstück schwöre, welches ich bereits im Haus Hammer eingenommen hatte, nahm ich nur eine Tasse Kaffee. Schnell noch den Rucksack gerichtet, die Drop Bag abgegeben und schon ging es los. Mit 16 weiteren Läuferinnen und Läufern startete ich also um 7 Uhr auf die Strecke. Viele von ihnen waren richtig alte Hasen in der Ultraszene, fast alle hatten zumindest bereits mehr als 2 Ultras gefinisht.

DCIM100GOPRO

Da die Steigung auf den ersten 2 Kilometern noch erträglich war, dachte ich sogar, ich könnte an der vor mir laufenden 3 Mann und 1 Frau starken Gruppe dran bleiben. Als es dann zunehmend steiler her ging, legte ich diese Pläne schnell aufs Eis. Schließlich wollte ich nicht alles schon am Anfang verpulvern. Als der Forstweg dann in einen schmalen Pfad überging zeigte sich zudem, dass die Läufer vor mir quasi in den Bergen zuhause waren (die späteren Gespräche bestätigten dies übrigens). Technisch konnte ich definitiv nicht mehr mithalten. Das störte mich auch nicht, aber so ganz alleine zu laufen birgt bei einem solchen Lauf natürlich auch die Gefahr des Sichverlaufens.

IMG_0281

Glücklicherweise löste sich dieses Problem kurze Zeit später von ganz alleine. Nach einer längeren Kraxelstelle war mit dem Aiplspitz der erste von sieben Gipfeln erreicht. Doch ich stand nicht wie vermutet alleine dort oben. Ein Mitläufer hatte mich wohl beim Aufstieg ein und im oberen Bereich als sich der Weg gabelte auch überholt. Nach einer kurzen Fotosession wollte ich ihm den Vortritt lassen, doch er blieb hinter mir. So kamen wir ins Gespräch und im weiteren Verlauf zeigte sich, dass unser Tempo ganz gut harmonierte. Dass vier Augen und zwei Uhren beim Orientieren besser sind, stellten wir auch einige Male fest. Denn es ging nicht dem Wanderweg folgend hinab, sondern über eine Kuhwiese und dann scharf links ab auf einen Wiesentrail. Hier war das erste Mal der Orientierungssinn gefragt.

DCIM100GOPRO

Nachdem es die Tage vor dem Lauf sehr viel geregnet hatte, waren die Wege teilweise nicht mehr erkennbar, sondern er in kleine Sümpfe verwandelt. Bergab konnte ich es allerdings mit meinen begrenzten Downhillfähigkeiten im steilen Gelände eh nicht ganz so sehr rollen lassen. Der nächste Anstieg wartete alsbald und es ging hinauf zum Hochmiesing (Oneway und Retour) und weiter zur Rotwand. Den Abschnitt zwischen diesen beiden kannte ich noch von meiner Zeit in München als ich dort einmal wandern war. Das gab etwas Sicherheit beim Orientieren. Nach einem kurzen gut laufbaren Downhill ging es weiter zur Auerspitz, von der aus man einen tollen Blick ins Tal und auf den Soinsee hat.

DCIM100GOPRO

Über viele gut laufbare Wege führte die Strecke nun zum großen Verpflegungspunkt bei der Niederhofer Alm. Dort hatten wir ein Freigetränk und eine Brotzeit gut. Mein Laufpartner und ich waren uns jedoch schnell einig, dass wir nur etwas trinken würden. Ich nahm während dem Lauf immer wieder einen Bissen von meinem Riegel während er sich ausschließlich mit iostonischen Getränken versorgte. So fiel unsere Pause an der Alm etwas kürzer aus und wir machten uns alsbald auf den Weg zum letzten Gipfel auf dieser Talseite, den Seebergkopf.

DCIM100GOPRO

Nachdem es nun auch wärmer wurde, war der im Schatten liegende Weg nach oben Gold wert. Lediglich das letzte Stück war in der Sonne. Hier waren auch überraschend viele Wanderer unterwegs – vermutlich ist das von Bayrischzell aus der Gegenpol zum beliebten Wendelstein, auf den Seil- und Zahnradbahn führen. Nach einem zum Teil recht steilen Downhill erreichten wir den Parkplatz, wo unsere Drop Bags im Kofferraum auf uns warteten. Endlich Sonnencreme und endlich etwas Cola und Brezeln – der Hunger zeigte sich nun doch langsam bei mir. Während ich noch aß gingen wir weiter durch den Ort und querten damit das Tal. Auf der anderen Seite wartete der zweite lange Anstieg des Tages auf uns.

DCIM100GOPRO

Unser Weg hinauf zum Wendelstein führte über den König-Maximilians-Weg, den ich bereits von einem früheren Adventure Race kannte. Ein langer, aber zum Glück auch sehr schöner Pfad, der einen zunächst zu den Wendelstein Almen führt. Dann geht es links ab und nur ein paar Höhenmeter später erreicht man die Bergstation der Seilbahn. Entsprechend viel ist hier auch los. Deshalb gingen wir schnell weiter zum Gipfel, der über befestigte Serpentinen erreicht wird. Unterwegs kam uns ein anderer Läuferentgegen, der den richtigen Abstieg nicht fand. Hier zahlte sich meine Kopie der DAV-Karte abermals aus. Anhand dieser erklärte ihm die Bergwacht den Weg. Wir fanden den richtigen Weg zum Glück direkt ohne Probleme.

DCIM100GOPRODer Abstieg ging allerdings sehr steil über ein Geröllfeld, weshalb an ein Laufen nicht zu denken war. Der Steig ging dann in einen Wanderweg über, der im Wald dann auch endlich wieder laufbar wurde. Auch hier war Orientierungssinn gefragt. Wir wurden abermals auf einen nicht beschilderten Abschnitt geleitet. Diese Wege machen den Lauf zu dem, was er ist. Man fühlt sich ein wenig wie Kolumbus und freut sich einfach, fernab des Mainstreams auf zum Teil wilden Wegen unterwegs zu sein. Auch beim Training zuhause sind das die erfüllendsten Momente: Das Entdecken neuer Trails. Unser versteckter Weg führte uns perfekt laufbar hinab in eine Senke am Bach.

DCIM100GOPRO

Dort trafen wir wieder auf verschiedene Wanderwege und unseren Aufstiegspfad zum Breitenstein. Mitten im Wald befanden wir uns plötzlich inmitten einer Kuhherde. Da wir bereits beim Abstieg vom Seebergkopf ein fragwürdiges Erlebnis mit einer Kuh hatten, wählten wir diesmal den Umweg durchs Unterholz. Weglaufen wäre an dieser Stelle definitiv nicht machbar gewesen. Nachdem wir dem Wald den Rücken gekehrt hatten, wartete auch die letzte Verpflegungsstelle auf uns. Wir erfuhren, dass die erste Frau wohl soeben ins Ziel einlaufen würde und der erste Mann schon eine gute Stunde dort sei – wow, supergut! Doch auf uns wartete noch ein letzter Anstieg. Der Breitenstein wird in der Regel von Fischbachau aus begangen, was man beim Abstieg merkt. Viele der Felsen waren recht speckig. Entsprechend war ich wieder einmal sehr vorsichtig aka langsam unterwegs. Aber immerhin hat sich diese Vorsicht bezahlt gemacht – keine Stürze oder Verletzungen!

c07135fd-b60c-4a26-a0bf-c89ad5444a3d

Nach dem wir abermals eine Kuhherde passiert hatten ging es wieder in den Wald – allerdings konnten wir den Schleichweg am Schluss nicht finden, weshalb wir einen kleinen Umweg über den Wallfahrtsort Birkenstein in Kauf nahmen. Nach 11 Stunden und 55 Minuten erreichten wir dann das Ziel am wunderschönen Hasenöhrl Hof in Geitau, wo wir am Morgen gestartet waren. Das Besondere: Die Medaille bekamen wir von der Oma des Veranstalters höchstpersönlich umgehangen. Familiärer geht es kaum! Die neun Läufer, die bereits im Ziel waren, wirkten alle noch recht fit – manche sahen gar aus, als hätten sie gar nichts groß gemacht an diesem Tag. Da konnten wir uns nicht einreihen. Wir waren sehr glücklich mit unserem Getränk und der Portion Finishernudeln. Da es alsbald recht frisch wurde, machten wir uns jedoch verhältnismäßig früh auf den Weg zurück zu unseren Unterkünften.

b39fdf82-e514-49b4-aea8-e1726d904d49

Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung und ein Erlebnis, das sich definitiv eingebrannt hat! Wer physisch fit ist. und etwas Orientierungssinn hat, sollte auf jeden Fall mitmachen.

Ergebnisse und weitere Berichte

Die wichtigsten Fakten zum Sanctuary 50:

  • Einzelrennen über 55 km und 4.200 Hm
  • technisch zum Teil sehr anspruchsvoll
  • Schwindelfreiheit ist ein Muss
  • empfehlenswerte Ausrüstung: Stöcke, Verpflegung, Flask (viele Quellen unterwegs), GPS-Uhr, ggf. Printkarte
  • sehr familiäres Flair
  • Anreise mit der Bahn unkompliziert von München aus
  • Unterkunft am besten im DAV Haus Hammer (in Hammer gibt es auch einen Edeka)
  • Tipp: Am Tag danach zum Beispiel beim Hasenöhrl Hof frühstücken und später beim Café Winkstüberl Kuchen essen und dann die schöne Gegend rund um den Schliersee erkunden
Advertisements

Montafon Totale Trail

Nachdem ich im vergangenen Jahr den Dolomiti di Brenta Trail gelaufen bin und sehr gut durchkam, wollte ich dieses Jahr etwas mit noch mehr Höhenmetern angehen. Da ich große Veranstaltungen eher meide, stieß ich bei meiner Recherche schnell auf den Montafon Totale Trail, der 2018 zum 3. Mal stattfand.

IMG_9987

Zur Wahl standen in diesem Jahr gleich drei verschiedenen Distanzen: ein 10 km Berglauf mit 1.200 Hm, der Trail mit 33 km und 3.300 Hm und der Ultra mit 47 km und 4.200 Hm. Meine Wahl fiel für diesen doch recht frühen Termin im Jahr auf den Trail – auch nicht zuletzt weil dieser die heftigste „Steilheit“ versprach. Ganz besonders reizte mich die Tatsache, dass weniger Hm im Abstieg als im Aufstieg zu meistern sind. Meine Downhilltechnik hat sich zwar verbessert, ist aber leider immer noch weit davon gut zu sein, so wollte ich meine Stärken bergauf ausspielen. 😉

Die Startunterlagen konnten entweder morgens beim Start oder aber am Tag zuvor in Sankt Gallenkirch abgeholt werden. Im Anschluss an das Briefing gab es noch eine super leckere Pastaparty mit drei verschiedenen Soßen, Parmesan und frischem Basilikum zur Wahl – und zwar in Restaurantqualität!

IMG_9948

Die Wettervorhersage für den Renntag war nahezu perfekt. Es sollte zwar recht warm, aber dennoch nicht zu heiß werden. Vor dem Start in Schruns um 7 Uhr cremte ich mich also gut ein und wärmte mich zusammen mit den knapp 200 Läufern der beiden längeren Distanzen auf. 15 Nationen waren in diesem Jahr vertreten, so hörte man im Startbereich die verschiedensten Sprachen – einfach toll! Mit dem ersten Glockenschlag der Kirchturmuhr wurden wir auf die Strecke geschickt. Nachdem die Talstation der Hochjoch Seilbahn passiert war, ging es direkt auf den ersten Trail, der wunderbar laufbar war. Leider aber auch recht kurz und es folgte nochmals ein längeres Stück Asphalt.

DCIM100GOPRO

Dieses mündete dann aber in einem ordentlichen Wald- und Wiesenpfad. Zum Glück hatte sich das Feld bis dahin schon gut sortiert, sodass man schön seinen Rhythmus gehen konnte. Gerade zu Beginn einer längeren Distanz ist es wichtig nicht zu überpacen und dennoch zügig unterwegs zu sein. Eingereiht in der Läuferschlange gelang mir das recht gut. Bei der Bergstation der Hochjochbahn erwartete uns auch schon die zweite Verpflegungsstation, die ich zügig passierte. Noch zeigte sich kein Hunger und der Durst hielt sich auch in Grenzen. Einen Riegel, Gel und Traubenzucker hatte ich ja sowieso noch dabei.

DCIM100GOPRO

Der weitere Weg führte uns nun deutlich alpiner an der Wormser Hütte vorbei hinauf zum Kreuzjoch – endlich durften auch mal die Hände zum Einsatz kommen! Leicht wellig ging es weiter zur Zamangspitze, die wir leicht unterhalb passierten. Noch einmal den Blick zurückwerfen, den Ausblick genießen und leicht wellig nun auf den Höhenzug des xxx blickend gen Furkla und Grasjochhütte. Bis zum Abzweig gen Scheimersch verlief der Downhill ganz gut laufbar, doch dann ging es zunehmend steiler bergab Richtung Sankt Gellenkirch. Inzwischen hatte sich das Feld auch so gut verteilt, dass ich zeitweise ganz allein unterwegs war.

DCIM100GOPRO

 

Im Tal erwartete uns an der Talstation der Valiserabahn eine weitere Verpflegungsstation. Da nun der finale Anstieg bevorstand, zwang ich mich zumindest den halben Riegel zu essen. Eigentlich hatte ich insgeheim gehofft, ab hier gemeinsam mit den Bergläufern unterwegs zu sein, die um 11 Uhr gestartet waren. Leider war ich aber gut 45 Minuten hinter diesem Plan. Nachdem ich dies realisiert und verarbeitete hatte, ging es also wieder alleine weiter. Der Weg führte schon nach kurzer Zeit wieder in den Wald, der nun angenehm schattig war. Und tatsächlich waren da noch die letzten Bergläufer unterwegs. Sie namens eher gemütlich und machten direkt mal eine kleine Pause.

DCIM100GOPRO

Der Wald spuckte uns direkt auf eine Skipiste aus. Schön steil ging es also nun über einen Grashang auf direktem Weg nach oben. Ein Glück, dass unterwegs ein Brunnen stand, denn die Mittagshitze machte sich in Kombination mit der Anstrengung doch sehr bemerkbar. An der Bergstation der Garfreschabahn trennte sich unsere Strecke von der der Ultraläufer. Ich merkte, dass mein Riegel wirkte, nahm an der Verpflegungsstelle noch eine Flaskfüllung Cola mit und wanderte zügig weiter. Viele derjenigen, die mich bergab überholt hatten, konnte ich nun wieder einholen. Was für ein gutes Gefühl hinten raus noch so viel ungeahnte Power zu haben! Wie beflügelt ging es immer weiter nach oben auf den Gantekopf. Der Gratweg war überraschend gut laufbar. Es folgte noch ein weiterer kleiner Anstieg und schon war das Ziel an der Nova Stoba direkt vor mir.

IMG_9950

Von den Zuschauern motiviert schaffte ich es, auch die letzten Meter noch einmal richtig zu laufen und traute meinen Ohren kaum. Ich kam als 5. Frau (5. AK, 41. gesamt) ins Ziel. Wahnsinn!! Niemals hätte ich mir auch nur erträumt, dass das möglich sein könnte. Im Ziel gab es statt einer Medaille leckere Marillen-Minz-Marmelade. Ein cooles Stirnband hatten wir ja schon im Starterbeutel bekommen. 🙂

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass sich mein Eindruck von den Berichten des Vorjahres bestätigt hat: Ein hartes, faires und wirklich familiäres Rennen! Vielen Dank an die Veranstalter für die tolle Orga.

Die wichtigsten Fakten zum Montafon Totale:

  • Einzelrennen über 10 km (1.200 Hm), 33 km (3.300 Hm) und 47 km (4.200 Hm)
  • technisch zum Teil anspruchsvoll
  • empfehlenswerte Ausrüstung: Stöcke, etwas Verpflegung (für die Abschnitte, wo die Verpflegungspunkte etwas weiter auseinander liegen), Flask
  • familiäre Atmosphäre
  • Anreise der Bahn bis Schruns und dann mit dem Bus oder mit dem Auto
  • Tipp: Unbedingt mit etwas Urlaub verbinden. Die Gegend bietet vom Klettersteig und Klettern über Rennrad- und MTB-Touren und natürlich zahlreiche Wanderungen auch tolle Bademöglichkeiten und leckeres Essen. Dank Bergeplus-Programm sind viele Aktivitäten bei zahlreichen Gastgebern inklusive.

IMG_9988

Dolomiti di Brenta Trail

Dolomiti di Brenta Trail

Ein Trailrun mit nur etwa 1% Asphalt und über 80 % Single Trail Passagen samt seilversicherten Stellen…nein, nicht der Transalpine Run ist gemeint (wenngleich dieser ja leider bekanntermaßen diesmal einen etwas höheren Asphaltanteil hatte). Der Dolomiti di Brenta Trail in Molveno (Trentino), nicht weit von Trient, hält dieses Versprechen!

Mit den Distanzen von 64 km mit 4.200 Hm und 45 km mit 2.850 Hm bietet er Ultraeinsteigern und Routiniers einen abwechslungsreichen wie anspruchsvollen Lauf in den Dolomiten. Dazu gibt es noch 4 bzw. 3 Punkte in der UTMB-Wertung. Es bleibt abzuwarten wie sich dieser Lauf künftig, der heuer erst zum zweiten Mal stattfand, entwickelt.

Molveno selbst erreicht man am besten mit dem Auto. Ab Trient fährt man öffentlich ca. 1,5 Std. mit Zug + Bus. Das beschauliche Örtchen ist vom Tourismus geprägt und dennoch keineswegs überlaufen. Die direkte Seelage bietet ein wunderschönes Panorama. Auch für die Begleiter gibt es zahlreiche Aktivitäten direkt im Ort und der näheren Umgebung.

Dass der Lauf selbst noch jung ist merkt man vor allem an der Organisation. An der Startunterlagenausgabe bildet sich eine lange Schlange. Die netten Helfer machen das Anstehen aber sofort wett. Der Starterbeutel beinhaltet erfreulich viele nützliche Dinge und kaum Unbrauchbares: diverse Cremes für geschundene Läuferbeine, ein T-Shirt, Pasta, Wasser und einen Gutschein für ein Craft Bier im Ziel.

Gegen 19:30 Uhr folgt das Briefing – natürlich auf Italienisch. Das wichtigste wird ins Englische übersetzt. Wenn man beides spricht ideal, doch auch mit nur dem Englischen erhält man alle relevanten Informationen. Das wichtigste „Novum“: Im Vergleich zum Vorjahr, wo das Wetter sehr gut war, wird diesmal die Pflichtausrüstung am Morgen kontrolliert werden. Typisch Italienisch gehen viele erst nach dem Briefing gegen 20:30/21 Uhr Essen. Überhaupt wird man kaum ein Restaurant finden, das vor 19 Uhr öffnet.

Dank dem Mix von Südtiroler Spezialitäten und klassischen Pizza-Pasta-Gerichten geht es am nächsten Morgen gut gestärkt und bei einer Startzeit von 7:30 Uhr auf der Kurzdistanz einigermaßen ausgeschlafen zum Start. Die angekündigte Kontrolle fällt überraschend dürftig aus: Von einer etwa zehn Positionen umfassenden Liste werden lediglich das Handy und eine Regenjacke als Pflichtausrüstung angesehen. Ich bin später froh, noch etwas mehr dabei zu haben.

Was sofort auffällt im Vergleich zu Rennen in Deutschland oder Österreich: Es herrscht absolute Gelassenheit am Start. Kein großes Warmlaufen der Teilnehmer, eher noch ein kurzer Plausch, ein paar Fotos. Kurz vor dem Start gibt es noch ein Kurzbriefing auf Italienisch bevor gemeinsam runtergezählt wird.

Die Strecke führt zunächst kurz durch Molveno, erst bergab und dann steil bergauf. Noch laufen alle. Es geht wieder bergab und nach einer Brücke hinein in den Wald. Dort geht es wieder steil bergauf. Im Vergleich zur Passage davor gehen nun alle. Der Pfad ist gerade breit genug zum Überholen. Aber irgendwie scheint dies gar nicht so wichtig zu sein. Zumindest nicht in dem Feld, in dem ich mich befinde. Gespräche hier und dort. Diese nehmen jedoch mit zunehmender Länge rapide ab.

Nachdem uns der Waldweg mit nur leichteren Steigungen nach Andalo geführt hat, geht es nun richtig nach oben. Das Streckenprofil sieht auf diesen 7 km etwa 1.000 Hm vor bevor es nach einem kurzen Plateauweg weitere 300 Hm nach oben geht. Nachdem erste ausgesetzte Stellen und Querungen von Geröllfeldern gemeistert sind, führt eine Skipiste hinab zum Rifugio Graffer, das sogar belegte Brötchen und warmen Tee bereithält. Diesen kann man bei den doch recht frischen Temperaturen unter 10° C gut gebrauchen. Auch kommen die Handschuhe spätestens hier zum Einsatz.

Nach einem weiteren kurzen An- und Abstieg über Felsen und Geröll wird das Rifugio Tuckett erreicht. Diesmal ist die Verpflegung in der Hütte aufgebaut und sie übertrifft alle Erwartungen: Frisches und Trockenobst, Nüsse, Maronen, belegte Brötchen, Suppe, Tee, Magnesium und vor allem eine urige Hütte! Die Stärkung ist bitter nötig, steht nun das steilste Stück zum Boca di Brenta bevor. Über einen zunächst sehr gut laufbaren Trail wird ein Geröllfeld gequert bevor es den letzten Abschnitt mit über 40 % Steigung im losen Geröll nach oben geht.

Nachdem das geschafft ist erwartet einen auch schon die nächste Verpflegung am Rifugio Pedrotti. Wer hier nach 17 Uhr vorbei kommt, muss eine Stirnlampe mitführen. Ich habe mich für die Variante schneller laufen (ohne Stirnlampe) entschieden. Nach der Hütte folgt ein langer Abstieg in nicht ganz so flowigem und eher gerölligen Gelände. Etwa ab Kilometer 37 wird es flacher und man kann es schön rollen lassen.

Die Strecke führt im weiteren Verlauf auf einer Forststraße am Pradel, der Bergstation der Seilbahn aus Molveno, vorbei und biegt schließlich in einen Waldweg ab. Nach etwa 1,5 km über weichen, aber verwurzelten Waldboden geht es nochmals durch Molveno. Das letzte Stück wird direkt am See gelaufen, bis auch schon der Zielbogen am Schwimmbad auftaucht. Jeder Läufer wird lautstark von den Moderatoren empfangen. Im Ziel gibt es statt einer Medaille eine Mütze (die man bei den diesjährigen Temperaturen auch wirklich gut gebrauchen kann) und das verdiente Bier.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass dieser Lauf sportlich einiges abverlangt. Bei der ITRA ist er immerhin mit einer 8 (von 12) im Bereich Berg gerankt, die 64 km lange Variante mit 9. Landschaftlich und läuferisch ein echtes Highlight sind die ausgesetzten, aber gut laufbaren Passagen, die beiden zu durchquerenden Tunnel und die wunderschönen Single Trail Abschnitte durch die Büsche und Wälder PLUS die tolle Verpflegung! Auch der Cut Off ist mit 14,5 bzw. 16 Stunden für alle gut machbar. Ich habe übrigens 8:28 Std. (24. Frau, 147. gesamt) gebraucht während der erste Mann schon nach 4:40 Std. im Ziel war. Es ist abzuwarten, ob dieser Lauf eine kleine Perle bleibt oder er sich zu einem der größeren hinzugesellen wird.

Als Vorbereitung empfiehlt sich übrigens die Walser Trail Challenge Classic, die einen ähnlichen Schwierigkeitsgrad aufweist.

Walser Trail Challenge (Classic) 2017

Die Walser Trail Challenge bietet mit ihren vielfältigen Wettbewerben die idealen Bedingungen für Einsteiger, Etappenrennenneulinge und Läufer unterschiedlichen Niveaus, die gemeinsam bei einem Wettkampf starten möchten. Dieser Artikel spiegelt meinen Eindruck von diesem tollen Wettbewerb wieder und wurde in keinster Weise beeinflusst oder gesponsert.

Ende April startete ich spontan beim Innsbruck Alpine Trailrun Festival über die Kurzdistanz von 25 km (25. Frau, 18. AK). Wetterbedingt wurde diese geändert und enthielt dadurch leider einen recht hohen Asphaltanteil. Eine Woche später hieß es beim Heimspiel, dem Trollinger Halbmarathon auch Asphalt pur. Immerhin sprang dabei eine neue persönliche Bestzeit mit 1:39 und ein 3. Platz in der AK (22. Frau) heraus, was doch auch Lust auf einen flachen Halben macht.

Mein Hunger auf einen weiteren echten Trail war dadurch aber noch nicht gestillt. Zwar bietet meine Wohngegend ein paar fabelhafte und sehr flowige Trails im Wald, doch der Ausblick beschränkt sich dabei stets auf Wälder und Weinberge. Statt Steinböcken und Murmeltieren gibt es hier Feldhasen und Rehe. Definitiv toll, aber nicht dasselbe. 😉

Sehr spontan startete ich also nach meiner Dienstreise beim Km Vertical in Fuente Dé (Picos de Europa). Was für ein verrücktes Ding! In einer Stunde rannte ich knapp 1.000 Hm auf nur 2,6 km hoch. Da es ein absolutes Eliterennen (Teil des World Circuit) war, war ich sehr dankbar, dass ich überhaupt teilnehmen durfte. Immerhin bin ich nicht letzte Frau geworden und viel wichtiger: Der erste Mann, der eine Zeit von nur 33 Minuten benötigte, hat mich nicht überholt (die Frauen starteten eine halbe Stunde vor den Männern). Wahnsinn, was die Profis drauf haben. Sie fliegen regelrecht nach oben und ins Ziel auf gut 2.000 Metern Höhe!

Als (geplante) Vorbereitung für den Dolomiti di Brenta Trail Anfang September sollte also in diesem Jahr die Walser Trail Challenge herhalten. Am ersten Tag wird der Widderstein Trail mit 15km und knapp 1.000 Hm gelaufen während am zweiten Tag beim Walser Trail 29 Km mit knapp 1.900 Hm und auf der Ultra Strecke 65 km mit 4.200 Hm bewältigt werden müssen.

Es gibt Einzelwertungen für die drei Wettbewerbe und eine Gesamtwertung für Teilnehmer beider Tage (Classic + Ultra). Mich stellte mein erster Zweitageswettkampf vor allem vor die große Herausforderung der Dosierung am ersten Tag. Schnell, aber nicht zu schnell wollte ich sein. Die Beinchen hatten am nächsten Tag ja noch eine deutlich längere Strecke zu bewältigen. Spontan kam mit Darmproblemen auch die Herausforderung der Energiezuführung auf mich zu. Sowas unnötiges!

Widderstein Trail

Am Samstag um 10 Uhr fiel der erste Startschuss in Baad (Mittelberg). Wir wurden auf die 15 km lange Strecke des Widderstein Trails geschickt, die zunächst 4 mehr oder minder flache Kilometer abspult, um dann einen steilen, etwa 4,5 Kilometer langen Anstieg mit ca. 700 Hm zu überwinden. Das bedeutete auch: Einsortieren, denn auf dem Anstieg ist das Überholen nur schwer möglich und man läuft gezwungenermaßen das Tempo der Läufer vor einem.

Da es ziemlich heiß war, war ich sehr dankbar für die Verpflegungsstation mit Brunnen direkt vor dem Anstieg. So konnte der Körper noch einmal herunter gekühlt und die Stöcke „in Ruhe“ ausgepackt werden. Der Aufstieg erfolgt auf einem langen und teils felsigen Single Trail hoch zur Widderstein Hütte auf 2.009 m bevor ein zum Teil matschiger Downhill gen Ziel kommt. Meine Downhillqualitäten lassen leider noch zu Wünschen übrig, weshalb ich auf dem rutschigen Terrain häufig die Stöcke benutzen musste. Lediglich die letzten 1,5-2 km konnte ich gut laufen. Hier befanden wir uns allerdings auch auf einer wenig anspruchsvollen Forststraße.

Insgesamt war das Flair beim kurzen Widderstein Trail doch recht wettkampfgeladen. Ein komplett anderes Gefühl als beim Karwendelmarsch 2016 (vgl. Bericht hierzu) breitete sich dadurch aus. Und doch waren die Helfer und Fans im Kleinwalsertal mindestens so toll! Insgesamt lief ich übrigens als 30. Frau und 5. AK ein.

Walser Trail

Nach einer ordentlichen Portion auf der Rolle (die Recovery Roll R8 ist wirklich sehr zu empfehlen!) und einem leckeren Abendessen frei nach dem Motto: Mal einfach nur essen, worauf man Lust hat (= Pizza) ging es dann auch bald ins Bett. Leider zeigte sich am nächsten Morgen, dass ich immer noch nicht wirklich fit war. Die Energie wollte einfach nicht in meinem Körper bleiben.

Dies zeigte sich auch auf den ersten Kilometern des Walser Trails, die schön stetig bergauf gehen. Wir liefen den Downhill vom Vortag einfach umgekehrt. Zwar war das Wetter wieder blendend wie bereits am Samstag, doch in der Nacht hatte es ordentlich geregnet. Leichter wurde es also nicht. Leider spürte ich meine Energielosigkeit auch deutlich. Zusammen mit dem anspruchsvollen Terrain stürzte ich sogar zwei Mal. Glücklicherweise aber nie schlimm.

Ab der Mindelheimer Hütte klappte es dann auch mit der Energiezuführung und ich kam endlich zu Kräften. Auf dem letzten Anstieg gen Fiderescharte (2.198 m) konnte ich sogar einige überholen. Dann wartete ein Downhill über ein Geröllfeld auf uns, der absolute Konzentration erforderte. Hier wurde ich dann auch von einem Ultraläufer überholt. Wahnsinn, dachte ich mir, der hat schon 36 Kilometer mehr in den Beinen und wirkt immer noch so fit. Nach der letzten Verpflegungsstation wartete noch ein Highlight auf uns: Anstatt auf dem Wanderweg liefen wir auf einem alten Hirtenweg gen Tal. Eine klasse Sache, aber mit dem matschigen Untergrund und dem hohen Gras abermals recht fordernd.

Nachdem diese „Hürde“ überwunden war, ging es auf der winterlichen Talabfahrt und sommerlichen Schotterpiste weiter nach unten. Für mich dennoch etwas zu steil, so dass ich es nicht wagte, „es rollen zu lassen“. Ganz anders als die erste Frau auf der Ultradistanz, die mich nun überholte. Ich habe noch nie jemanden mit solch einer Sicherheit den Berg runterfliegen sehen. Wirklich klasse, wie sie quasi ins Tal schwebte. Ich hingegen war froh, als die Schotterpiste in Asphalt überging, denn das bedeutete nur mehr 1 km bis zum Ziel. In Riezlern feuerten zudem einige Passanten und viele der Finisher an, was einen Extraantrieb verlieh. Nach 5:18 war ich somit als 21. Frau (10. AK) im Ziel.

Nachdem natürlich nicht alle Starter des Widderstein Trails und des Walser Trails beide Läufe absolviert hatten, sprang am Ende sogar eine Top10-Platzierung für mich als 9. Frau (71. gesamt) heraus. 🙂

Viele wichtiger als Zeiten ist aber die Region, die ich durch diese Veranstaltung kennen gelernt habe. Mir hat es so gut gefallen, dass ich gleich nochmal ins Kleinwalsertal fahre. Natürlich auch wieder, um Berge hoch und runter zu rennen – diesmal aber ohne Zeitnahme und mit einer Hüttenübernachtung! Nun im Nachgang hierzu noch die Daten zur Tour (44 km, 3.100 Hm).

 

Die wichtigsten Fakten zur Walser Trail Challenge:

  • Einzelrennen über 15, 29 und 65 km
  • technisch anspruchsvoll
  • empfehlenswerte Ausrüstung: Stöcke (v. a. bei Matsch) und für den Sonntag eigene Verpflegung (längere Teilstücke ohne Wasser)
  • Langschläfer geeignet (Starts um 10 und 11 Uhr bei der Trail Challenge Classic)
  • familiäres Flair
  • Anreise mit dem Auto und dann unbedingt weiter mit dem Bus
  • Unterkunft am besten in Riezlern oder Mittelberg
  • Anmeldung auch bis wenige Wochen zuvor möglich

Radfahren auf Kreta: Mit dem MTB unterwegs

Nachdem ich bereits vom Wandern auf der schönen Mittelmeerinsel berichtet habe, möchte ich heute vom Radfahren auf Kreta schreiben. Wirklich Mountainbiken kam letztlich nur einmal bei 9 Miettagen raus. Doch auch mit dem Rennrad oder Tourenrad lohnt sich Kreta!


Es gibt zahlreiche Verleihstationen auf der Insel. Offseason würde ich kein Rad vorab buchen, sondern vor Ort die Angebote vergleichen. Da mir vorab allerdings mitgeteilt wurde, es herrsche MTB-Hochsaison während meiner Reisezeit buchte ich das „Deluxebike“. Es handelte sich um ein vier Jahre altes 26er Scott Hardtail. Technisch im Ordnung und sicher ein gutes Rad. Man merkte ihm seine Jährchen allerdings etwas an (Gummi spröde, etwas Rost an den Stränden). Wäre es nicht schon bezahlt gewesen, hätte ich hier auf jeden Fall verhandelt. Die Auswahl an verschiedenen Modellen samt Trekking-und Rennrädern ist jedoch top. Sogar ein E-Bike kann ausgeliehen werden.


Tourempfehlungen gab es leider nicht, weshalb ich komplett auf Onlineportale angewiesen war. Nach etwas Recherche wurde ich schnell fündig. 45 km und 1.400 HM wurden mir vorgeschlagen. Das klang fies. Zu fies für den ersten Tag. Also versuchte ich mit outdooractive selbst zu planen. In der Theorie klappte das wieder einmal perfekt. Gespeichert, aufs Garmin geladen und los ging’s. Leider sah die Realität dann doch etwas anders aus: Zäune kannte ich bereits vom wandern, doch hier war ich bereits beim Öffnen skeptisch. Bestätigt wurde diese Skepsis dann als ein Hund, der gut mein Gewicht hatte, bellend angerannt kam. Nachdem die erste Panik überwunden war, hieß es also sehr vorsichtig den Rückzug anzutreten. Mehr oder minder glimpflich glückte dies auch. Das hatte mit der Tourenplaner natürlich nicht angezeigt. Also zurück zur Straße und ganz old school den Schildern folgen. Wenngleich das dann leider fernab von Mountainbiken war.


Die nächste Tour wurde wieder online geplant. Laut Karte ausschließlich auf Straßen. Die Straßen stellten sich dann ganz zu meiner Freude als befestigte Pisten raus. Sehr fein… bis wieder zwei Hunde angerannt kamen. Zum Glück war ich diesmal in Schussfahrt und konnte schnell an ihnen vorbei. Doch bei der Rückfahrt bevorzuge ich doch die Straße. Dennoch dieser Abschnitt inmitten der Oliven- und Orangenplantagen war wunderschön. Das Ausflugsziel lautete diesmal Labba. Ein wirklich süßes Örtchen, das ein venezianisches Mosaik aus dem xx. Jahrhundert aufweisen kann. Auch ein paar nette Wasserfälle gibt es in unmittelbarer Nähe.


Auf Sonne folgt Regen… deshalb ließ die heiß ersehnte Inselquerung dann etwas auf sich warten. Aufgrund der Länge wurde diese direkt auf der Straße geplant. Das einzige, was ich hier bereute, war die Tatsache diesen genialen Track nicht mit dem Rennrad abfahren zu können. Von Rethymnon geht es zunächst wenig spektakulär lange bergauf ins Landesinnere. Die anfangs noch stark befahrene Straße wird zunehmend ruhiger und dadurch angenehmer zu fahren. Es folgt eine lange Abfahrt mit herrlichen Ausblicken. Ab dem Abzweig nach Preveli wird es nochmals ruhiger und vor allem eines: Spektakulär! Nachdem ein Dörfchen durchquert ist geht es hinab in eine Schlucht. Das Gefühl dort hinab zu sausen ist einmalig! Nach einem kurzen Anstieg geht es weiter hinab ins Tal. Dort angekommen lohnt sich die Einkehr in der Taverne an der venezianischen Brücke. Oder man fährt direkt weiter und nimmt den letzten Anstieg zum Aussichtspunkt in Angriff. An einem in der Nebensaison nur zu einem Bruchteil belegten Parkplatz kann man das Rad dann stehen lassen. Versierte Biker können hier aber auch noch ein kleines Stück Trail fahren. Meine Fahekünste ließen das dann aber nicht sonderlich weit zu. Also das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Es ist aber auch nicht wirklich weit bis zum Aussichtspunkt auf den Preveli Beach samt Flussmündung und Palmenhain. Und das Gefühl gerade eben von Nord nach Süd gefahren zu sein tut sein übriges. 🙂 Ach ja, keine schlimmen Steigungen, ca. 80 km und etwa 1.300 HM. Hier aber eine ganz klare Empfehlung mit dem Renner zu fahren.


Motiviert von dieser genialen Tour sollte nun also die MTB-Runde in Angriff genommen werden. Von Rethymnon überwiegend auf Schotterpisten zum Potami-Stausee. Dort dann etwas abkürzen und an der Straße zurück. Was für eine Tour. Hier ging es richtig steil hoch wie runter. Auch wieder an Hunden vorbei. Diesmal aber friedlichen Gesellen. So sehr ich Hunde mag, die kretischen machen mir zu oft Angst. Jedes Mal nachdem sie passiert sind, brauch ich noch ein wenig um den Puls wieder zu beruhigen. Die Abfahrt auf dem Schotter ist dank dem heftigen Sturm die Tage zuvor sehr zerfurcht und erfordert volle Konzentration. Am Stausee geht es dann ein kurzes Stück an der Straße entlang bevor man wieder mutterseelenallein auf einem Schotterweg am See entlang fährt. Begleitet wird man nur von Ziegen, hierSchafen und hier auch sehr vielen bunten Bienenkästen. Nach der Umrundung wähle ich abermals den einfachen Weg zurück. Die insgesamt nun 1.200 HM reichen ja auch irgendwie. 😉


Radfahren auf Kreta lohnt sich auf jeden Fall. Wer Hunde erfahren ist, dem sei auch das Mountainbiken empfohlen – oder man bucht eine geführte Tour. So schön die Tour zum See auch war, so schmerzhaft habe ich doch einen Renner vermisst.

Wandern auf Kreta: Unterwegs auf dem E4

Nach der Fernreise im vergangenen Jahr, sollte der diesjährige Urlaub nicht ganz so sehr zu Buche schlagen. Für einen Sonnenanbeter und Meerliebhaber wie ich es bin, kamen da gar nicht so viele Ziele in Frage. Ende Oktober/Anfang November herrscht in den meisten europäischen Reisezielen doch verstärkt Regen und auch das Meer ist oft nicht mehr warm genug, um Frostbeulen wie mich zum baden zu bewegen.

Nach intensiver Analyse (10minütiger Vergleich der Sonnenstunden und Wassertemperatur) war die Entscheidung gefallen: Kreta sollte es diesmal werden. Auch die bergige Landschaft war ein großer Pluspunkt für die Mittelmehrinsel – und auf Sizilien war ich schließlich schon. 😉

Nachdem Flug und Unterkunft dank skyscanner.de und Expedia schnell gefunden waren, beschäftigte ich mich mit dem Freizeitangebot vor Ort. Ein Radverleih war schnell gefunden, doch die Infos zum Wandern waren recht diffus. Ein Wanderführer musste also her. Ich entschied mich, den des Michael Müller Verlags zu kaufen und lieh mir später zusätzlich den Rother beim DAV aus. Die Schwierigkeitseinstufungen sind in der Regel für Nichtwanderer, weshalb ich meist die wirklich harten Touren raussuche, um auf meine Kosten zu kommen. So sollte es auch diesmal sein. Nachdem sich die Anreise zum Gipfel des Psiloritis zu umständlich gestaltete und die Temperaturen dort oben (es geht immerhin auf gute 2.500m) weniger meiner Komfortzone entsprechen, sollte es eine Küstenwanderung auf dem europäischen Fernwanderweg E4 werden.

Fernwanderweg E4

Die Anreise zum Startpunkt in Chora Sfakion (Sfakia) von Rethymnon im Norden aus erfolgte mit dem Bus (Umstieg in Vrisses). Nach etwa 2 Stunden (mit Wartezeit in Vrisses) zum Teil spektakulärer Fahrt konnte es dann endlich losgehen. Der erste Teil der Wanderung verläuft zunächst auf einer wenig befahrenen Straße bevor der Weg dann auf einen Küstentrail führt. Diesem folgt man zum malerischen Fischerdörfchen Loutro, das ausschließlich per Pedes oder mit dem Boot zu erreichen ist. Unterwegs passiert man wunderschönen Sweetwaterbeach. Buddelt man dort wenige Zentimeter tief stößt man direkt auf Süßwasser, das angeblich sogar Trinkwasserqualität hat. Ein wirklich tolles Phänomen so nah am Meerwasser!

Loutro

Von Loutro führt der Weg dann lange über eine strauchige Ebene bevor es hinunter an einen schwarzen Kiesstrand geht. Nach weiteren 4 Kilometern ist das Zwischenziel Agia Roumeli am Ausgang der berühmten Samaria Schlucht erreicht. Außerhalb der Hauptsaison war es sehr einfach spontan ein günstiges Zimmer zu bekommen. Essenstechnisch empfiehlt sich die Taverna Rousios – besonders Vegetarier kommen hier auf ihre Kosten (die veg. Moussaka ist ein Traum).

Sunrisehike

Da man Ende Oktober auch auf Kreta nicht mehr ganz so lange Tageslicht hat, musste die nächste Touretappe zwingend mit dem Sonnenaufgang starten. Die angeblich härteste Etappe des E4 führt auf gut 18 Kilometern und 1.400 HM von Agia Roumeli nach Sougia. Das Schöne und gleichzeitig Fiese: Es gibt unterwegs keine Anlaufpunkte, keine Tavernen, Brunnen, etc. Aus diesem Grund muss unbedingt ausreichend Wasser mitgenommen werden. Ich schleppte also brav – wie überall empfohlen wurde – meine 5 Liter Wasser mit. Da ich meist nicht so sehr schwitze und die Temperaturen trotz knallender Sonne für mich gut auszuhalten waren, brachte ich letztlich 1,5 Liter mit nach Sougia. Aber lieber zu viel als zu wenig mitnehmen!

Domata Beach

Die Etappe startete mit einem steilen und langen Anstieg über Ziegenpfade. Am höchsten Punkt angekommen geht es über einen Sattel und durch einen Wald hinab zum Domata Strand. Dieser schwarze Sandstrand ist mit seinen steil abfallenden hellen Felsen ein herrlicher erster Stopp. Nachdem dortigen Frühstück (ich entschied mich für Bananen, Käse und Reiswaffeln nebst der Dauerverpflegung Studentenfutter) muss das Kiesbett einer Schlucht gequert werden bevor der Weg wieder etwas ansteigt und parallel der Küste entlang führt. Nach etwa fünf Stunden Gehzeit folgte mein persönliches Highlight der Tour: Die doch recht lang andauernde Schlüsselstelle der Etappe. Auf mehreren hundert Metern geht es stets doch recht steil nach unten und die Hände kommen regelmäßig zum Einsatz. Sehr fein! Aufgrund dieses Abschnitts und der nicht zu unterschätzenden Gesamtlänge wird die Tour ausschließlich erfahrenen Wanderern empfohlen. Die meisten Beschreibungen sollen vor allem Unerfahrene abschrecken; mich sprachen sie geradezu an. 🙂 Dennoch würde ich sagen, dass mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit diese Etappe auch von weniger Erfahrenen gut gemeistert werden kann.

Fernwanderweg E4

Auf diesen Tourenabschnitt folgt ein weiteres Highlight. Es geht über den Sedoni Beach direkt am Meer entlang über diverse Felsen. Wem es zu heiß ist, der kann sich direkt im Wasser abkühlen. Nach diesem tollen und abwechslungsreichen Abschnitt geht es hinein ins Landesinnere. Zunächst der Tripiti Schlucht folgend, dann links (steil) zu einer kleinen Kapelle aufsteigend. Die Kapelle selbst erreicht man nur über einen weiteren Zubringer, den ich jedoch nur bei ausreichend Sonnenlichtm also z.B. im Mai/Juni, empfehlen würde. Über den Sattel gelangt man zu den Ruinen einer venezianischen Festung. Ab dort führt der Weg wieder durch ein bewaldetes Gebiet hinab. Landschaftlich folgt nun ein Teil, der mein Trailrunnerherz höher schlagen lässt. Zu schade, dass ich nicht die richtigen Schuhe unter meinen Füßen und wahrlich nicht den idealen Rucksack hierfür habe. Wobei ich rein konditionell wohl eher nur noch zum traben zu gebrauchen war. Nach dem Abstieg schlängelt sich der Weg etwas abseits der Küste und mit nicht mehr allzu heftigen Steigungen Richtung Sougia. Doch es zieht sich!

Nach 11 Stunden Gehzeit bleibt doch noch etwas Sonnenlicht um einmal kurz baden zu gehen und die Strapazen des Tages hinfort zu waschen. Auch in Sougia lässt sich problemlos eine hübsche und nicht allzu teure Unterkunft finden. Sogar eine Strandbar mit Kamin gibt es dort. Das ist alles, was mein müder Körper sich wünscht – denn nachts wird es doch etwas frisch und ich habe nur das nötigste an „Alltagskleidung“ eingepackt. Bevor es am nächsten Morgen mit der Fähre zurück geht sollte man unbedingt am Kiosk vorbeischauen, wo es auch die Bustickets zu kaufen gibt. Dieser Kiosk hat nämlich eine tolle Auswahl an Gebäck, Kaffee und (wie fast überall auf Kreta) frisch gepressten Orangensaft.

Samaria Schlucht

Die Fähre bringt mich zurück nach Agia Roumeli. Anstatt jedoch hier 1 Stunde auf die Weiterfahrt zu warten, zieht es mich in die berühmte Samaria Schlucht. Auch hier gibt es einen wunderschönen Wanderweg, der in die Weißen Berge (Lefka Ori) hinauf führt. Da dort jedoch der letzte Bus bereits am frühen Nachmittag fährt, kann ich diese Wanderung nicht machen und luge stattdessen nur etwas in die Schlucht hinein. Um genau zu sein bis zu den Eisernen Pforten. An der engsten Stelle sind die Felswände nicht einmal vier Meter voneinander entfernt! Zu dieser Stelle ist es von Agia Roumeli aus etwa eine Stunde Fußmarsch. Danach geht es noch ein wenig weiter hinein. Da das nächste und letzte Boot allerdings um 17 Uhr abfährt und noch etwas Entspannung am Strand eingeplant ist, gehe ich nur noch bis zum Rastplatz bei Metamorphosis. Auch ein Ranger ist dort mit seinem Pferd unterwegs. Nachdem am Brunnen die Wasservorräte nochmals aufgefüllt wurden geht es auf dem selben Weg wieder zurück und an den dunklen Sandstrand von Agia Roumeli, wo ich auf die Fähre nach Sfakia warte.

Samaria Gorge

Alternativ wäre die Rückfahrt auch mit dem Bus ab Sougia möglich gewesen…doch die Bootsfahrt (oder besser zwei) wollte ich mir nicht nehmen lassen!

Eine weitere schöne Wanderung, die perfekt als Trailrun absolviert werden kann, ist übrigens die Rundtour durch die Mili Schlucht bei Rethymnon aus dem oben erwähnten Wanderführer.

Hike Selfie

Hier noch einmal die wichtigsten Fakten zu den beiden Tagesetappen auf dem E4:

Tag 1
Start: Chora Sfakion (Sfakia)
Anreise: Bus ab Chania oder Rhetymnon, vgl. Webseite
Zwischenziel: Agia Roumeli via Loutro
Länge: 21 km, ca. 800 HM
Gehzeit: ca. 8 Stunden
Markierung: E4 Stangen, gelb-schwarze Striche, Steinmännchen
ACHTUNG: kaum Schatten unterwegs
Übernachtungstipp: Taverna Tarra
Einkehrtipp: Taverna Rousios

Tag 2
Start: Agia Roumeli
Ziel: Sougia via Domata Beach
Rückfahrt: Fähre nach Sfakia, vgl. Webseite
Länge: 18 km, ca. 1.400 HM
Gehzeit: 11 Stunden
Markierung: Steinmännchen, gelb-schwarze Striche, E4 Stangen und Schilder
ACHTUNG: Keine Verpflegungsstellen, zum Teil sehr sonnig
Übernachtungstipp: Lissos

Unbedingt mitnehmen
Bargeld
Handy
Erste-Hilfe-Set
Kamera (od. Handykamera)
Wanderstiefel und -stöcke für Tag 2
Bikini / Badehose
Verpflegung, Wasser
GPS-Gerät

Fernwanderweg E4

Karwendelmarsch 2016 – mein erster Ultra

Vor gut zwei Monaten war ich auf der Hochzeit einer Freundin, mit der ich in München regelmäßig laufen war. Unter den Gästen befanden sich weitere Läuferinnen, die im Laufe des Abends begannen vom Karwendelmarsch 2015 zu schwärmen. Einige von ihnen sowie Braut und Bräutigam waren bereits angemeldet für dieses Jahr und so entschloss ich mich spontan auch mitzulaufen.

Karwendelmarsch am Morgen

Marsch klingt zunächst fast ein wenig militärisch. Dabei geht es bei dieser Veranstaltung vor allem um den Genuss mit allen Sinnen. An den Labstationen (Verpflegungsstellen) werden ausschließlich Bioprodukte gereicht, im Ziel wartet – neben der Medaille – eine wohltuende Massage mit Tiroler Steinöl und für’s Auge bietet der Achensee kristallklares Türkis schimmerndes und sehr erfrischendes Wasser.

Nebelauen im Karwendel

Das ursprüngliche Weitwanderevent wurde vor wenigen Jahren um den Karwendellauf erweitert. Die Wanderer können zwischen 35km und 52km wählen während die Läufer die volle Distanz absolvieren müssen. An allen Stationen gibt es einen Stempel, der für die Wanderer verpflichtend ist. Als Läufer hab ich sie trotzdem alle gesammelt. 😉 Neben den Stempeln gibt es stets Wasser, leckeren Holundersaft, Tee, Äpfel, Bananen und je nach Station Riegel, Suppe, Brot. Nur in der Eng (nach 35 km) gibt es die göttliche Heidelbeersuppe. Das ist wohl Absicht, denn gäbe es die an jeder Station würde man erst gar nicht bis dorthin kommen, so lecker ist die.

Kuh in der Morgensonne

Doch die Suppe muss man sich hart erarbeiten. Zwei Gipfel und zwei Downhills gilt es zu bezwingen auf dem Weg dorthin. Und von der Suppe gestärkt wartet der letzte Gipfel mit einem weiteren Downhill auf die Teilnehmer.

Karwendelmarsch Gehstrecke

Das schreibt sich nun alles sehr leicht, doch so leicht war das Ganze nun doch nicht. Im Vorfeld hatte ich Mühe die Veranstaltung einzuschätzen, bin ich doch bisher gerade mal zwei Marathons (2013, 2015) gelaufen. Im vergangenen Jahr hatte ich mal privat einen Berglauf gemacht, was ganz gut ging. Dank der Anmeldung versuchte ich einigermaßen oft in den Weinbergen zu laufen – denn eines ist es nicht im Ländle: flach. Doch ein Motivationsloch ließ nur einen wirklich langen Lauf im Vorfeld zu. Ich sagte mir immer wieder, dass ich ja auch viel wandern müsse und die langen Läufe vielleicht gar nicht so wichtig seien. Das beste Training war zweifelsohne das Adventure Race im Bayerischen Wald Anfang August. Hier liefen wir verteilt auf zwei Tage auch um die 30 Kilometer (immer wieder unterbrochen von anderen Fortbewegungsarten) und die vor allem im hügeligen Gelände.

Karwendelmarsch am Vormittag

Training hin oder her, am Freitag holten wir also unsere Startunterlagen ab und packten unsere Trinkrucksäcke. Dank bombastischer Wettervorhersage wurde tatsächlich überhaupt keine wärmende Kleidung benötigt – der Rucksack also etwas leichter. Ich nahm mir neben einem Erste-Hilfe-Pack noch ein Gel und natürlich meine Kamera mit. Die ersten beiden Verpflegungsstationen liegen bei knappen 10 und 20 Kilometern, die folgenden 8 kommen im 2-5 Kilometer-Rhythmus. Entsprechend würde ich stets etwas für den ersten Wegteil einpacken.

Ausblick beim Lauf

Um 6 Uhr am Samstagmorgen fiel dann der Kanonenschuss bzw. unser Startschuss. 2.500 Teilnehmer hatten sich angemeldet, davon etwa 800 Läufer, davon wiederum 20% Frauen. Die ersten 15 Kilometer lassen sich recht gut laufen bevor es doch etwas steiler wird und man in den schnellen Gehschritt verfällt. Nach der zweiten Verpflegung wartet dann ein sehr gut zu laufender Downhill, der sich länger zieht als gedacht. Doch durchweg flowig und sehr angenehm zu laufen – bevor der zweite Anstieg wartet. An der Labstation etwas gestärkt geht es zunächst etwas bergab bevor es wieder marschierend hinauf geht. Der dritte Downhill ist für mich zu anpruchsvoll und ich muss lange gehen. Ich mag es überhaupt nicht hinunter zu gehen und vermisse meine Stöcke, die ich spontan am Morgen doch lieber zuhause gelassen hatte. Doch am Ende dieses Abstiegs wartet ja die über die Grenze hinweg bekannte Heidelbeersuppe. Bereits beim Verzehr spüre ich zwar die Kraft, die sie mir verleiht, aber auch den Muskelkater, der sich bereits ankündigt.

vor dem letzten Anstieg

Doch wir müssen noch einen sehr langen Anstieg bewältigen bevor es hinab gen Ziel und Massage geht. Das Terrain ist steil. Zu steil zum laufen, weshalb ich wieder marschiere. Auch bergab muss ich zunächst gehen, da es ziemlich steil hinunter geht. Einige „Bergziegen“ fliegen über den Trail und ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich staune sowieso bereits das ganze Rennen. Die Landschaft ist so unglaublich schön und sehr vielseitig. Morgens erleben wir von der Sonne angestrahlte und im warmen Rot schimmernde Felsen, mystische Nebelfelder im Tal, einige Kühe und vor allem viel Sonne.

Bergweide

Bereits gegen 8 Uhr spürten wir wie heiß es werden sollte. Hatte ich aufgrund des Tempos auf allen Anstiegen Glück Schatten zu finden, mussten die Wanderer in der prallen Sonne hinauf! Mein letzter Downhill führt mich zunächst sehr steil zur Labstation 9,6 km vor dem Ziel und dann laufbar weiter hinab. Bergab fliege ich nun über die Schotterwege, Wiesen und auf den letzten 7 Kilometern über den Asphalt. Wahnsinn wie das rollt! Das Dauergrinsen ist zu diesem Zeitpunkt doch einem zwar noch freudigen, aber auch langsam leidenden Gesicht gewichen. Nun wird es wirklich hart! Doch spätestens nachdem man den letzten Minianstieg in Pertisau überwunden hat, kommt das Strahlen schnell zurück. Nur noch 1 Kilometer und ich habe es geschafft. Freudig und mit einer ordentlichen Gänsehaut (wohl vor Freude und Respekt) laufe ich um 12:43 Uhr durch den Zielbogen. Wow! Was für ein Gefühl. Und das Grinsen bleibt noch lange in meinem Gesicht. Zwar schmerzen die Beine, aber hey, ich bin soeben meinen ersten Ultra gelaufen – so what. Als ich später auf die Ergebnislisten schaue, staune ich nicht schlecht. Ich bin immerhin 9. in meiner Altersklasse und 29. Frau geworden. Auch insgesamt schneide ich mit Rang 217 überraschend gut ab. Das macht direkt Lust auf mehr!

Finishermedaille Karwendellauf

Göteborg – ein Kurztrip nach Schweden

Nach dem tollen Radrennen in Hamburg hieß es für mich direkt nach dem Duschen wieder Koffer packen. Noch am Abend startete meine Fähre von Kiel nach Göteborg.

Möwe an Bord

Früher sind wir oft mit der Fähre von Genua nach Korsika gefahren. Während dem Studium fuhren wir auf einer Exkursion von Dänemark nach Norwegen. Alle Touren habe ich geliebt. Das Meer übt eine wahnsinnige Faszination auf mich aus. Aber so geht es sicher vielen. Auf dem Meer einzuschlafen und aufzuwachen hat da natürlich noch einmal einen ganz besonderen Reiz. Da am Sonntag die günstigsten Kabinen bereits ausgebucht waren, sah ich mich also gezwungen eine der 20 € teureren Außenkabinen mit Meerblick zu buchen. Hach. Ein Traum und v.a. eine lohnende Investition!

Sonnenuntergang von der Kabine aus

Spannende an der Überfahrt war vor allem das Ein- und Auschecken mit dem Fahrrad. Hier geht man über den normalen Zugang für PKW und LKW auf die unterste Ebene der Fähre und befestigt das Rad mit Spanngurten an einem Geländer. Das lange Anstehen darf man sich zum Glück sparen und den motorisierten Gefährten vorbeigehen. Was für ein Gefühl, wenn sich die Luke vor einem öffnet und du als erster das Schiff verlässt!

Sucht das Fahrrad!

In Göteborg angekommen wartete schon ein leckeres Frühstück samt Kanelbullar auf mich – natürlich nicht im Restaurant, sondern stilecht wie es sich für Outdoorer gehört als Picknick auf einem Felsen.

Fähre nach Styrsö

Da ich nur 2 Tage in der knapp 500.000 Einwohner starken Stadt hatte, sollten diese voll ausgekostet werden. So ging es direkt weiter in den Schärengarten. Ab Göteborg kann man mit der Tram bis Saltholmen fahren und ab dort mit dem selben Ticket weiter mit der Fähre in die Schären. Dort bietet es sich an auf einer oder mehrern Inseln eine kleine Wanderung zu unternehmen. Mich zog es nach Styrsö, denn hier gibt es gleich drei Fähranleger und ich konnte somit von einem anderen Ort zurückfahren.

Ein Dach aus Blättern

Meine kleine, aber feine Wanderung führte mich von Bratten über den Naturstig zur Südküste und dort der weiß-grünen Markierung folgend nach Tangen. Die Tour dauerte circa 1,5 Stunden, mit den vielen Fotopausen natürlich etwas länger. Für Fleißige gibt es auch einen Outdoorfitnessparcours unterwegs. Das besondere: Alle Geräte sind aus Holz. Man stemmt also Baumstämme.

Wanderung auf Styrsö

Der nächste Tag brachte noch etwas mehr Sonne und somit beste Bedingungen zu paddeln. Schon klasse, wenn die Leute, die man besucht, Faltkajaks haben, die man einfach und unkompliziert im Auto oder ÖPNV transportieren kann! Der Aufbau dauert pro Kajak auch nur ca. 10-15 Minuten. Lediglich 15 Minuten Fahrt von Göteborg erschließt sich einem das Gebiet rund um den Delsjön, ein verzweigter See, der sich hervorragend bepaddeln lässt.

Paddeln in Schweden

Auf so viel Natur musste vor der Abfahrt am Abend noch etwas „Stadt“ folgen, weshalb wir noch gemütlich am Hafen zusammen saßen.

Chillen in Göteborg

Ach ja, zum shoppen eignet sich Göteborg auch bestens. Und auch die Preise sind absolut okay. Vor allem mit Outdoorsachen kann man sich gut einkleiden – da ist die Auswahl deutlich größer als in Deutschland (oder zumindest Heilbronn). 😉

RAD RACE und Cyclassics Hamburg 2016

Am 21. August sollte es soweit sein. Das Radrennen des Jahres stand bevor. Um genau zu sein, das größte Jedermannrennen Europas: die EuroEyes Cyclassics in Hamburg.

Spontan fragte mich eine andere Bloggerin, ob ich nicht Lust hätte einen Tag zuvor beim sog. RAD RACE zu starten. Ich schaute mir die Sache kurz an und sagte spontan zu – wohlwissend, dass meine Qualitäten eher in der Ausdauer als im Sprint liegen.

Gesehen beim RAD RACE Battle Hamburg

Das RAD RACE oder besser der RAD RACE Battle ist ein Rennformat, bei dem Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau von einer Rampe Sprint fährt. Der Bessere kommt weiter, der schlechtere scheidet aus. Bis am Ende nur noch einer übrig bleibt. Bei den Frauen waren 32 gemeldet. Da einige nicht erschienen rutschte ich also von der Warteliste ins Teilnehmerfeld. Was mich dort erwarten sollte: Ich würde den Großteil der Teilnehmer mal als die Florian Neuschwanders des Radsports bezeichnen. Definitiv mit viel Style und definitiv krass schnell!

Rad Race Battle Hamburg, photo by Christian Siedler (https://www.facebook.com/christiansiedlerphoto)

Als ich sah, wer meine Gegnerin sein sollte, wurde mir bereits etwas mulmig. Ines Hinrichs, später Platz 5, vom Harburger RC hatte schon das ein oder andere Radrennen gewonnen. Ich hab vor allem an Erfahrung gewonnen. Doch eins nach dem anderen. Vor dem Start konnten wir uns einerseits auf frei laufenden Rollen aufwärmen (also, für mich war’s das erste Mal, entsprechend musste ich mich stets am Geländer festhalten) und andererseits den Start von der Rampe üben. Hier wird man von einem Helfer gehalten, klickt ein und fährt auf einen Countdown folgend los. Doch welchen Gang wählt man für so etwas? Nach meinem Rennen gegen Ines kann ich klar sagen: den größt möglichen, der noch gut fahrbar ist. Mein Fehler war (neben dem fehlenden Training) einen etwas zu niedrigen Gang gewählt zu haben. Wer schaltet verliert auf der Sprintstrecke von 190m nämlich zu viel Zeit. Vom Start kam ich super weg (siehe Video), doch dann wurde ich alsbald überholt.

> Weitere Infos zum RAD RACE

 

Durch diese Niederlage blieb mir entsprechend mehr Zeit und Energie für die Cyclassics 100 am nächsten Tag.

Ab 8 Uhr begannen die einzelnen Startgruppen (A bis O) ihr Rennen. Mit meiner erwarteten Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h wurde ich in Gruppe M eingeteilt. Entsprechend konnte ich etwas länger schlafen und erst ab 9 Uhr in die Pedale treten. Bei strahlendem Sonnenschein benötigte ich lediglich Armlinge – perfekt! Vor allem im Vergleich zu meinem letzten Radrennen, dem Velothon Berlin 2014 (Dauerregen!) war dies wahrlich angenehm.

vor dem Start der Cyclassics Hamburg

Vom Start weg kam ich gut in Fahrt und schloss mich immer wieder verschiedenen Verfolgergruppen an. Ab geschätzt Kilometer 20 hatte sich ein harter Kern herauskristallisiert, dem ich mich anschloss. Das Ziel unter 3 Stunden zu bleiben wollte ich insgeheim ja doch etwas unterbieten. 😉 Die wellige Strecke führte uns in den Süden Hamburgs und vor allem Harburgs. Insgesamt waren knapp 500 Höhenmeter zu bewältigen, wobei ich keine heftige Steigung verzeichnen konnte. Dies ist freilich immer Ansichtssache. Denn bei einigen Anstiegen konnte ich als Weinbergradlerin doch den ein oder anderen Herren überholen. Auch übernahm ich immer mal wieder die Führungsarbeit in unserer kleinen aber feinen Gruppe. Im Vergleich zu Berlin, wo ich noch große Probleme hatte in der Gruppe zu fahren, lief diesmal alles sehr rund und auch bei den Kurven traute ich mich etwas mehr – wenngleich ich auch hier noch weiter trainieren kann!

Startklar für die Cyclassics Hamburg

Die Strecke selbst ist abwechslungsreich und führt durch viele kleine Vororte. Ein absolutes Highlight habe ich allerdings außerhalb der Großstadt vermisst. Dafür trumpft die Hansestadt richtig auf: Vom Start in der Hafencity geht es über die Köhlbrandbrücke gen Süden – genialer Ausblick auf den Hafen inklusive. Auch in Richtung Ziel werden mehrere Brücken passiert bevor es zum Schlussspurt auf die Mönckebergstraße geht. Doch bevor wir diesen antreten konnten, mussten wir noch einmal komplett abbremsen und etwa eine Minute warten, um die Schnellsten der 155km langen Runde passieren zu lassen. Bei aller Sportlichkeit empfand ich es doch als sehr ungünstig, dass uns so Zeit obendrauf geschlagen wurde. Hier wäre eine Zeitmessung toll, um die Wartezeit von der Endzeit abziehen zu können.

Finishermedaille Cyclassics Hamburg

Wenngleich das Warten schnell vergessen war dank der atemberaubenden Atmosphäre auf der Mönckebergstraße. So muss es sich in Paris anfühlen. Wahnsinnig viele Menschen, die einen anfeuern. Da kann man nicht anders als alles zu geben und dabei ein Dauergrinsen im Gesicht zu haben. Danke Hamburg für diese tollen Gänsehautmomente! Nach 2:49 (ohne Wartezeit) erreichte ich schließlich den Zielbogen und konnte die wirklich wunderschöne Medaille und mein verdientes Bier (alkoholfreies Erdinger)in Empfang nehmen.

>> Weitere Infos zu den Cyclassics

Getränke bei Ausdauersport

Kennt ihr das Problem der richtigen Getränkewahl vor, während und nach dem Wettkampf?

Wenn wir gut auf unseren Körper hören, sagt er uns in der Regel ja, was er gerade benötigt. Manchmal schummelt er allerdings auch und macht uns etwas vor. Ein wenig Planung und Wissen ist also gerade bei längeren Ausdauerleistungen oder auch unter extremen Umständen wie Hitze oder Kälte wichtig.

Vor dem Wettkampf solltet ihr immer ausreichend, aber nicht zu viel trinken. Vor dem Start ist man ja meistens eh nervös genug, so dass auch ohne übermäßigen Getränkekonsum der ein oder andere sicher häufiger als üblich das stille Örtchen besuchen muss. Von Kaffee, schwarzem Tee oder stark zuckerhaltigen Getränken würde ich absehen, da hier die Wirkung meist nach einiger Zeit recht abrupt aufhört und ihr dann ggf. in ein Loch „fallt“. Ich nehme mir meist einen Becher Wasser von der (meist schon aufgebauten) Zielverpflegung mit, das ist (selbstverständlich nach einem Wettkampf-Frühstück) völlig ausreichend.

Abkühlung

Während des Wettkampfs versuche ich vor allem auf meinen Körper zu hören. Meist wünscht er sich jedoch nur Wasser, weshalb ich mich beim Laufen ab Kilometer 10, beim Radfahren meist ab etwa 30 Kilometern zwinge auch immer etwas isotonisches wie Schorle oder Sportgetränke zu trinken. Gerade bei heißen Temperaturen ist dies besonders wichtig, da der Körper über den Schweiß viele Nährstoffe verliert, die über eine reine Wasseraufnahme nicht zurückgeführt werden. Vor allem beim Marathon oder einer Mitteldistanz schreit mein Körper gegen Ende hin sogar nach zuckerhaltigen Getränken wie Cola. Diese gönne ich mir dann auch, jedoch immer in Maßen, um keinen „Zuckerschock“ zu bekommen. Genauso wichtig wie die Aufnahme von Getränken ist bei heißen Temperaturen übrigens auch die aktive Unterstützung bei der Kühlung. Ich schnappe mir hierfür immer einen Schwamm oder zur Not kommt eben ein Wasserbecher über den Kopf.

Alkoholfreies Bier

Nach dem Wettkampf hingegen habe ich meist Lust auf etwas Herzhaftes, weshalb ich alkoholfreies Bier zu meinem absoluten Favoriten auserkoren habe. Am liebsten mag ich persönlich das Erdinger Alkoholfrei, das ist aber sicher (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschmackssache. Ein ganzes Glas reicht mir völlig; mehr oder etwas anderes möchte mein Körper gar nicht. Dass Bier das ideale natürliche und nährstoffreiche Getränk ist wussten ja bereits die Mönche. Im Sport empfiehlt sich dann aufgrund des Alkohols und des darin enthaltenen Zuckers doch eher die alkoholfreie Variante. 😉