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GR20 im Oktober – doppelte Etappen bei völliger Autonomie

Wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind es überfüllte Wanderwege. Der GR20 auf Korsika muss wohl insbesondere im Sommer eine magnetische Wirkung auf viele haben. Wenn die Hütten jedoch nicht mehr bewirtschaftet sind, bietet dieser Fernwanderweg die Möglichkeit fast keine Menschenseele zu treffen. Und das bei doppelter Etappenlänge!

Da jedoch auch eine Menge Organisation zu solch einer Tour in völliger Autonomie (Selbstversorgung) gehört, will dieses Abenteuer gut vorbereitet sein. Bei der Recherche im Vorfeld half mir allen voran der etwas ältere Bericht von Randonner Malin. François war mit seinem Bekannten 2012 ebenfalls im Oktober unterwegs und hat 7 Tage für die 15 Etappen gebraucht.

Ganz so eilig hatten wir es nicht. Aufgrund begrenzter Urlaubskapazitäten mussten wir die Wanderung zudem auf zwei Jahre aufteilen und gingen den Nordteil (Calenzana-Vizzavona) 2017 in 4 ganzen und 2 halben Tagen. Den Südteil (Vizzavona-Conca) schafften wir 2018 in 4 ganzen Tagen. Hier eine Übersicht über unsere Etappen und Varianten:

Etappen GR20

Wir sind übrigens stets bei Tageslicht gegangen und musste nur 2x für etwa 15 Minuten unsere Stirnlampen nutzen. In Bavella haben wir uns nach einem langen, anstrengenden Tag und feucht-kaltem Wetter am Abend spontan für die Unterkunft im Gite d’étape entschieden und uns eine warme Dusche gegönnt.

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Tourenplanung
Für die genaue Etappenplanung ist der Rother Wanderführer eine zuverlässige Quelle, die auch zahlreiche Vorschläge für Varianten enthält. Die IGN-Karten im Massstab 1:25.000 gibt es in einer wasserabweisenden Variante. Zusätzlich kann man die Tour Mithilfe von alpenvereinaktiv.com am PC planen und mit der zugehörigen App auf dem Handy offline speichern. Infos zum aktuellen Zustand des Weges erhält man auf der Facebook-Seite des GR20 und per E-Mail an infos@pnr-corse.fr.

Aufgrund der zahlreichen zur Verfügung stehenden Planungshilfen möchte ich in diesem Beitrag eher auf die Ausrüstungswahl und die die kleinen Feinheiten unterwegs eingehen.

Ausrüstung
Da wir oft doppelte Etappen gingen mussten unsere Rucksäcke so leicht wie möglich sein und doch alles Wichtige beinhalten. Hier findet ihr eine Übersicht über den Inhalt unserer Rucksäcke. Weitere Details zur Ausrüstung gibt es weiter unten in diesem Artikel.

Technik & Kondition

Der GR20 wird als einer der schwersten Wanderwege Europas gehandelt. Meines Erachtens stammt diese Bewertung aus einer Zeit, in der es keine Hütten gab. Es handelt sich bei Weitem nicht um einen Spaziergang, doch wer trittsicher und schwindelfrei ist, wird den GR20 gut hinter sich bringen. Insbesondere für die alpinen Varianten (UIAA II), jedoch auch an zwei Stellen des Normalwegs ist Klettervermögen (UIAA I) gefragt. Kraxeln muss man ebenfalls ein paar Mal.

Begeht man den GR20 in den vorgeschlagenen 15 Etappen, bleibt stets ausreichend Zeit für die einzelnen Touren. Wer doppeln mag, sollte diese Belastung im Vorfeld testen. In jedem Fall testen sollte man das Gehen mit Gewicht. Wir machten im Vorfeld eine 2-Tages-Tour im Juli 2017 und stellten daraufhin noch einmal Teile unseres Gepäcks um.

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Anreise

Wer wie wir ein eigenes Fahrzeug hat, muss dieses entweder am Ausgangspunkt oder Ziel abstellen. Wir entschieden uns jeweils für das Ziel und konnten es freundlicherweise bei der Gite d’étape La Halte du Prince in Vizzavona bzw. bei unserer netten AirBNB-Unterkunft in Conca stehen lassen. In Vizzavona verbrachten wir jeweils die Nacht vor dem Start. Es stehen Zeltplätze und kleine Blockhütten zur Wahl. Auch gibt es ein Restaurant und einen kleinen Shop mit Lebensmitteln.

Vizzavona-Calenzana
Erfreulicherweise fährt der Zug auch im Oktober sehr regelmäßig, was die Anreise vereinfacht. Wir wollten am ersten Tag direkt noch eine Etappe gehen und fuhren morgens Richtung Calvi los. Calenzana ist nur per Bus erreichbar. Dieser fährt jedoch nur einmal am Nachmittag, weshalb wir uns fürs Trampen ab Alzeta entschieden und prompt Glück hatten.

Conca-Vizzavona
Ab Conca soll es einen kleinen Shuttlebus geben, der von der Gite d’étape angeboten wird. Da diese leider nicht auf unsere Anfragen reagierte, entschieden wir uns für eine AirBNB-Unterkunft, die uns freundlicherweise ins 5 Kilometer entfernte Saint Lucie de Porto Vecchio zur Bushaltestelle brachte. Von dort fährt 2x täglich ein Bus Richtung Bastia, der auch in Casamozza hält. Dort kann man in den Zug nach Vizzavona umsteigen. Wir entschieden uns für die Nachmittagsfahrt und kamen somit um 19:30 Uhr in Vizzavona an.

Infos zu den Buslinien
Infos zum Zug

Übernachtung

Die Hütten am GR20 sind in der Regel sehr einfach und nicht mit den bewirtschafteten Hütten oder Selbstversorgerhäusern des Alpenvereins zu vergleichen. Neben einer Küche (Gas ist i.d.R. vorhanden!) und Sitzmöglichkeiten gibt es stets einen Kamin, in dem Feuer zum Aufwärmen gemacht werden kann. Der Schlafraum mit Betten und Matratzen (keine Decken!) ist von diesem Aufenthaltsraum getrennt. Da es in vielen Hütten Bettwanzen geben soll, entschieden wir uns zu zelten. Das bedeutet zwar ein Mehrgewicht von knapp 1 kg (Zelt + Luftmatratze oder Isomatte), doch das Aufwachen mit der Sonne und zu Bett gehen unterm Sternenhimmel sind dies allemal wert.

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Die Hütten am GR20 sind im Oktober nicht mehr bewirtschaftet. Die Ausnahme bildete bei uns Haut Asco, die auch Anfang Oktober noch bewirtschaftet war und sogar warmes Wasser, Essen und Getränke bot. Wird die Hütteninfrastruktur der nicht bewirtschafteten Hütten genutzt, so ist eine Gebühr von 10 EUR pro Person/Nacht zu entrichten. Hierfür befindet sich in der Hütte eine Box (häufig ein Schlitz in der Wand), wo das Geld eingeworfen wird. Wer das Gas zum Kochen oder Feuerholz nutzt, sollte auf jeden Fall auch zahlen – selbst wenn nicht in der Hütte genächtigt wird. Die meisten Hütten werden nur per Helikopter versorgt. Diese Kosten sollte man als Nutzer mit tragen.

Die Zeltplätze befinden sich meist nah bei der Hütte, manchmal muss man jedoch etwas Ausschau halten, um sie zu finden. Häufig sind sie mit kleinen Steinkreisen gekennzeichnet. Achtung: Wildes Campen ist am gesamten GR20 verboten!

Zelt
Wir haben ein Doppelwandzelt verwendet. Manche schlafen ganz ohne Zelt draussen, andere verwenden nur ein Tarp. Unser Zelt von DD Hammocks (Superlight Pyramid Tent) bietet beide Möglichkeiten. Aufgrund der nächtlichen Kälte und tierischem Besuch (Füchse!!) verwendet wir stets das Innenzelt und das Tarp-Aussenzelt.

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Isomatte/Luftmatratze
Nach ausführlichem Probeliegen entschieden wir uns für Luftmatratzen von Therm-a-rest (NeoAir Xlite). Diese bieten bei äusserst geringem Gewicht und Packmass überdurchschnittlich viel Komfort und isolieren sehr gut. Die Härte lässt sich beim Liegen sehr leicht anpassen.

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Schlafsack
Der Schlafsack sollte einen Komfortbereich leicht unter dem Gefrierpunkt besitzen. Die höchstgelegene Hütte befindet sich auf knapp 2.000 m. Entsprechend kalt kann es im Oktober werden. Wir haben Daunenschlafsäcke verwendet, da diese bei geringem Packmass eine optimale Wärmeisolierung garantieren.

Verpflegung

Als wir auf dem Nordteil wanderten, hatten wir nebst selbst kreiertem Frühstück aus Haferflocken und Nüssen (wahlweise mit Creamed Coconut oder Wasser am Vorabend zubereitet) und selbst gemachten Energiekugeln verschiedener Geschmacksrichtungen für unterwegs fertige Trekkingnahrung vom Globetrotter dabei, die überraschend gut schmeckte.

Für den Südteil wurde das Frühstück um gefriergetrocknetes Obst ergänzt und weitere Flocken (z. B. Hirse) ausprobiert. Die Abendverpflegung machten wir diesmal im Sinne der Müllreduzierung und Kostenersparnis ebenfalls selbst: Polenta mit getrockneten Tomaten und Pilzen, Reisflocken mit Sojaschnetzeln und Kokos-Curry, Kartoffelbrei mit geschälten Hanfsamen. Alles nicht sonderlich schwer, mässig voluminös, sehr nahrhaft und vor allem schnell zuzubereiten.* Für unterwegs hatten wir diesmal salziges Studentenfutter und Riegel mit.

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Jeder muss selbst entscheiden, wie viel er zu essen mitnimmt. Ein kleiner Testlauf im Vorfeld kann hierbei helfen. Empfehlenswert sind ca. 2.000 Kilokalorien pro Tag. Unterwegs gibt es nur wenige Möglichkeiten seine Vorräte aufzustocken: Haut Asco, Col de Vergio, Vizzavona, Bavella. Meist werden in den kleinen Shops Reis, Tomatensoße, Nüsse und die üblichen korsischen Kekse zu etwas teureren Preisen angeboten.

In den genannten Orten gibt es auch Restaurants, die eine willkommene Abwechslung bieten. Doch Achtung: Essen gehen ist teuer auf Korsika (ca. 20 EUR pro Person ohne Getränke).

*Im Gespräch mit einem Bekannten wurde ich auf die Möglichkeit des Dörrens mittels Dörrautomat hingewiesen. Das klang für mich so schlüssig, dass die Verpflegung der nächsten Weitwanderung definitiv damit zubereitet wird!

Wasser
An den Hütten ist stets eine Quelle vorhanden – nur beim Refuge de l’Onda mussten wir einmal Wasser aus dem nahe gelegenen Fluss holen und abkochen bzw. mit Filtern in Trinkwasser verwandeln. Aufgrund der nahe weidenden Tiere empfiehlt sich dies. Getrunken haben wir ausschließlich Wasser und Tee. Eine Elektrolyttablette sorgt für Geschmack, falls benötigt. Im Fall der Fälle sollte man auch Flusswasser purifizieren können. Wir hatten hierfür Micropur Tabletten dabei.

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Kochen
Nach Möglichkeit haben wir mit unserem Alutopf (samt Deckel) in den Hütten gekocht. Als Backup hatten wir jedoch stets unseren Dosenkocher Marke Eigenbau und etwas Spiritus dabei. Das Zusatzgewicht merkt man kaum und die Gewissheit, im Fall der Fälle überall kochen zu können gibt viel Sicherheit.

Verpackung & Müll
Alle Lebensmittel sollten stets gut verpackt sein, da sie sonst wilde Schweine oder Füchse  magisch anziehen. Neben Tupperdosen sind Ziplocbeutel sehr empfehlenswert. Bereits bei der Planung sollte berücksichtigt werden, dass sämtlicher Müll mitgenommen werden muss. So empfiehlt es sich zum Beispiel, bei der Mitnahme von frischem Obst Äpfel oder Birnen zu wählen statt Bananen oder Mandarinen. Damit der Müll nicht unnötig Tiere anlockt, empfehlen sich auch hier Ziplocbeutel oder eine verschließbare Dose.

Bekleidung

Im Oktober kann es empfindlich kalt werden. Wir hatten das Glück keinen Regen- oder Schneetag zu erleben. Lediglich beim Versuch der Begehung einer Variante mussten wir aufgrund des eisigen und starken Windes abbrechen und eine andere Route wählen.

Da tagsüber die Temperatur leicht bis 20 Grad beträgt, sollte man sich also nach dem Zwiebelprinzip kleiden. Eine Zip-Off-Hose empfiehlt sich. Unterwäsche oder Socken kann man leicht mit Kernseife auswaschen oder in ausreichender Menge mitnehmen. Beim T-Shirt empfiehlt sich eine Funktionsfaser, die den Schweiß gut absorbiert. Wer keine Wollallergie hat, sollte über ein Merinoshirt nachdenken.

Unabdingbar sind Regenkleidung und ausreichend warme Oberbekleidung. Frostbeulen sollten ausserdem lange Unterwäsche und dicke Socken mitnehmen. Details finden sich in der Packliste.

Schuhe
Der GR20 verläuft nicht selten in hochalpinem, felsigem Gelände, das Trittsicherheit erfordert. Die Schuhe sollten entsprechend robust sein und über eine gute , profilierte Sohle verfügen. Wir haben unsere Trailschuhe ohne Sprengung und einer Sohlendicke von 2,5 cm verwendet (Altra Lone Peak). Ich besitze allerdings auch keine Wanderstiefel mehr, da ich bereits seit mehreren Jahren überwiegend auf Barfussschuhe umgestiegen bin. In jedem Fall sollten die Schuhe im Vorfeld bei einer mehrtägigen Wanderung mit Gepäck erprobt werden.

Als Zweitpaar für den Abend hatten wir noch ein Paar Five Fingers V-Run mit. Aufgrund der kühlen Temperatur am Abend kamen meine jedoch nicht zum Einsatz, weshalb ich sie von meiner Packliste streichen würde. Es kann allerdings seehehr angenehm sein, abends andere Schuhe zu tragen als tagsüber. Diese Entscheidung muss also jeder für sich treffen.

Stöcke
Für mich gehören Wanderstöcke bereits seit einigen Jahren zur Standardausrüstung in den Bergen. Insbesondere wenn man mit viel Zusatzgewicht unterwegs ist, lässt sich die Last so deutlich besser verteilen – mal davon abgesehen, dass wir für den Aufbau unseres Zelt einen Wanderstock benötigen. Empfehlenswert sind höhenverstellbare, leichte Stöcke. Meine ultraleichten Trailrunstöcke (Black Diamond Carbon Z) sind zwar nicht höhenverstellbar, bieten jedoch zwei Griffvarianten für normales Gehen und den Aufstieg.

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Hygiene

Da an jeder Hütte eine Quelle vorhanden ist, stehen ausreichend Waschmöglichkeiten zur Verfügung. Das Wasser ist jedoch sehr kalt. Deshalb kann man die Körperhygiene schon einmal zurückfahren und nur die „schlimmsten“ Stellen anstatt des kompletten Körpers waschen. Mit einem guten Deo (z. B. Deocreme von Ponyhütchen) riecht man ohnehin kaum.

Ich persönlich verzichtete komplett aufs Haare waschen. Das kostet zwar etwas Überwindung, ist aber auch nicht weiter schlimm. Zum Waschen verwendeten wir ausschliesslich Kernseife. Ein kleines Mikrofaserhandtuch spart Gewicht und Platz.

Fürs Zähneputzen empfehlen sich eine naturverträgliche Zahnpasta oder die platzsparenden Dentatabs. Wer Zahnseide verwendet, sollte diese nach der Verwendung auch wieder mit ins Tal nehmen und dort entsorgen.

Toilette
Die Toiletten an den Hütten bleiben im Winter verschlossen. Um die Natur nicht mehr als nötig zu belasten, empfiehlt sich die Mitnahme einer Schaufel. Der Untergrund ist allerdings sehr hart. Auch sollte mit Klopapier sparsam umgegangen werden. Eine Podusche wie etwa Happypo ist hier eine hygienische und leichtgewichtige Ergänzung im Reisegepäck!

Frauen, die während der Wanderung ihre Tage haben, sollten darüber nachdenken, bereits im Vorfeld auf eine Menstruationstasse wie z. B. die Lunette umzusteigen. Dies erspart viel Müll unterwegs. Da Tampons oder Binden nicht binnen 6 Wochen verrotten, müssen diese mit ins Tal genommen werden!

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Erste Hilfe

Standardmäßig sollten bei jeder Wanderung in den Bergen ein Erste-Hilfe-Set und eine Rettungsdecke im Rucksack sein. Seit einiger Zeit habe ich auch immer eine Rolle festes Tape dabei, das z. B. bei einem verstauchten Sprunggelenk hilft. Hier hilft es sich im Vorfeld mit den Klebetechniken auseinander zu setzen. Auch Desinfektionsspray und ein Biwaksack gehören seit einiger Zeit in meine Wanderapotheke. Ob Schmerzmittel, Anti-Durchfallmittel und weiteres mitzunehmen sind, muss jeder für sich entscheiden.

Eine Sonnencreme mit mittlerem Lichtschutzfaktor sollte auf jeden Fall eingepackt und verwendet werden.

Elektronik

Onlinejunkies werden enttäuscht sein vom GR20. Häufig gibt es kein Netz, auf vielen Hütten stehen keine Steckdosen zur Verfügung. Die gute Nachricht: Wer sein Handy ausschaltet und nur für den absoluten Notfall mitnimmt, kann das Ladegerät getrost zuhause lassen. In diesem Fall sollte auf jeden Fall eine Kamera mitgenommen werden. Das Zusatzgewicht einer Spiegelreflex sollten jedoch nur erfahrene Fotografen auf sich nehmen. Allen anderen sei versichert, dass auch eine Kompaktkamera oder eine GoPro ausreichend gute Bilder liefern wird.

Unabdingbar hingegen ist eine gute Stirnlampe. Diese gehört in jedem Fall ins Gepäck. Im Oktober sind die Tage kürzer, entsprechend muss damit gerechnet werden, dass das Zelt auch mal im Dunkeln aufgebaut werden muss. Der Weg zur Quelle ist ohnehin nicht beleuchtet.

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Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Der GR20 ist mit dem richtigen Equipment sehr gut bei Selbstversorgung und außerhalb der Hauptreisezeit machbar. Wer gerne den ganzen Tag wandert, sollte sich überlegen doppelte Etappen zu gehen.

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Dolomiti di Brenta Trail

Dolomiti di Brenta Trail

Ein Trailrun mit nur etwa 1% Asphalt und über 80 % Single Trail Passagen samt seilversicherten Stellen…nein, nicht der Transalpine Run ist gemeint (wenngleich dieser ja leider bekanntermaßen diesmal einen etwas höheren Asphaltanteil hatte). Der Dolomiti di Brenta Trail in Molveno (Trentino), nicht weit von Trient, hält dieses Versprechen!

Mit den Distanzen von 64 km mit 4.200 Hm und 45 km mit 2.850 Hm bietet er Ultraeinsteigern und Routiniers einen abwechslungsreichen wie anspruchsvollen Lauf in den Dolomiten. Dazu gibt es noch 4 bzw. 3 Punkte in der UTMB-Wertung. Es bleibt abzuwarten wie sich dieser Lauf künftig, der heuer erst zum zweiten Mal stattfand, entwickelt.

Molveno selbst erreicht man am besten mit dem Auto. Ab Trient fährt man öffentlich ca. 1,5 Std. mit Zug + Bus. Das beschauliche Örtchen ist vom Tourismus geprägt und dennoch keineswegs überlaufen. Die direkte Seelage bietet ein wunderschönes Panorama. Auch für die Begleiter gibt es zahlreiche Aktivitäten direkt im Ort und der näheren Umgebung.

Dass der Lauf selbst noch jung ist merkt man vor allem an der Organisation. An der Startunterlagenausgabe bildet sich eine lange Schlange. Die netten Helfer machen das Anstehen aber sofort wett. Der Starterbeutel beinhaltet erfreulich viele nützliche Dinge und kaum Unbrauchbares: diverse Cremes für geschundene Läuferbeine, ein T-Shirt, Pasta, Wasser und einen Gutschein für ein Craft Bier im Ziel.

Gegen 19:30 Uhr folgt das Briefing – natürlich auf Italienisch. Das wichtigste wird ins Englische übersetzt. Wenn man beides spricht ideal, doch auch mit nur dem Englischen erhält man alle relevanten Informationen. Das wichtigste „Novum“: Im Vergleich zum Vorjahr, wo das Wetter sehr gut war, wird diesmal die Pflichtausrüstung am Morgen kontrolliert werden. Typisch Italienisch gehen viele erst nach dem Briefing gegen 20:30/21 Uhr Essen. Überhaupt wird man kaum ein Restaurant finden, das vor 19 Uhr öffnet.

Dank dem Mix von Südtiroler Spezialitäten und klassischen Pizza-Pasta-Gerichten geht es am nächsten Morgen gut gestärkt und bei einer Startzeit von 7:30 Uhr auf der Kurzdistanz einigermaßen ausgeschlafen zum Start. Die angekündigte Kontrolle fällt überraschend dürftig aus: Von einer etwa zehn Positionen umfassenden Liste werden lediglich das Handy und eine Regenjacke als Pflichtausrüstung angesehen. Ich bin später froh, noch etwas mehr dabei zu haben.

Was sofort auffällt im Vergleich zu Rennen in Deutschland oder Österreich: Es herrscht absolute Gelassenheit am Start. Kein großes Warmlaufen der Teilnehmer, eher noch ein kurzer Plausch, ein paar Fotos. Kurz vor dem Start gibt es noch ein Kurzbriefing auf Italienisch bevor gemeinsam runtergezählt wird.

Die Strecke führt zunächst kurz durch Molveno, erst bergab und dann steil bergauf. Noch laufen alle. Es geht wieder bergab und nach einer Brücke hinein in den Wald. Dort geht es wieder steil bergauf. Im Vergleich zur Passage davor gehen nun alle. Der Pfad ist gerade breit genug zum Überholen. Aber irgendwie scheint dies gar nicht so wichtig zu sein. Zumindest nicht in dem Feld, in dem ich mich befinde. Gespräche hier und dort. Diese nehmen jedoch mit zunehmender Länge rapide ab.

Nachdem uns der Waldweg mit nur leichteren Steigungen nach Andalo geführt hat, geht es nun richtig nach oben. Das Streckenprofil sieht auf diesen 7 km etwa 1.000 Hm vor bevor es nach einem kurzen Plateauweg weitere 300 Hm nach oben geht. Nachdem erste ausgesetzte Stellen und Querungen von Geröllfeldern gemeistert sind, führt eine Skipiste hinab zum Rifugio Graffer, das sogar belegte Brötchen und warmen Tee bereithält. Diesen kann man bei den doch recht frischen Temperaturen unter 10° C gut gebrauchen. Auch kommen die Handschuhe spätestens hier zum Einsatz.

Nach einem weiteren kurzen An- und Abstieg über Felsen und Geröll wird das Rifugio Tuckett erreicht. Diesmal ist die Verpflegung in der Hütte aufgebaut und sie übertrifft alle Erwartungen: Frisches und Trockenobst, Nüsse, Maronen, belegte Brötchen, Suppe, Tee, Magnesium und vor allem eine urige Hütte! Die Stärkung ist bitter nötig, steht nun das steilste Stück zum Boca di Brenta bevor. Über einen zunächst sehr gut laufbaren Trail wird ein Geröllfeld gequert bevor es den letzten Abschnitt mit über 40 % Steigung im losen Geröll nach oben geht.

Nachdem das geschafft ist erwartet einen auch schon die nächste Verpflegung am Rifugio Pedrotti. Wer hier nach 17 Uhr vorbei kommt, muss eine Stirnlampe mitführen. Ich habe mich für die Variante schneller laufen (ohne Stirnlampe) entschieden. Nach der Hütte folgt ein langer Abstieg in nicht ganz so flowigem und eher gerölligen Gelände. Etwa ab Kilometer 37 wird es flacher und man kann es schön rollen lassen.

Die Strecke führt im weiteren Verlauf auf einer Forststraße am Pradel, der Bergstation der Seilbahn aus Molveno, vorbei und biegt schließlich in einen Waldweg ab. Nach etwa 1,5 km über weichen, aber verwurzelten Waldboden geht es nochmals durch Molveno. Das letzte Stück wird direkt am See gelaufen, bis auch schon der Zielbogen am Schwimmbad auftaucht. Jeder Läufer wird lautstark von den Moderatoren empfangen. Im Ziel gibt es statt einer Medaille eine Mütze (die man bei den diesjährigen Temperaturen auch wirklich gut gebrauchen kann) und das verdiente Bier.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass dieser Lauf sportlich einiges abverlangt. Bei der ITRA ist er immerhin mit einer 8 (von 12) im Bereich Berg gerankt, die 64 km lange Variante mit 9. Landschaftlich und läuferisch ein echtes Highlight sind die ausgesetzten, aber gut laufbaren Passagen, die beiden zu durchquerenden Tunnel und die wunderschönen Single Trail Abschnitte durch die Büsche und Wälder PLUS die tolle Verpflegung! Auch der Cut Off ist mit 14,5 bzw. 16 Stunden für alle gut machbar. Ich habe übrigens 8:28 Std. (24. Frau, 147. gesamt) gebraucht während der erste Mann schon nach 4:40 Std. im Ziel war. Es ist abzuwarten, ob dieser Lauf eine kleine Perle bleibt oder er sich zu einem der größeren hinzugesellen wird.

Als Vorbereitung empfiehlt sich übrigens die Walser Trail Challenge Classic, die einen ähnlichen Schwierigkeitsgrad aufweist.

Radfahren auf Kreta: Mit dem MTB unterwegs

Nachdem ich bereits vom Wandern auf der schönen Mittelmeerinsel berichtet habe, möchte ich heute vom Radfahren auf Kreta schreiben. Wirklich Mountainbiken kam letztlich nur einmal bei 9 Miettagen raus. Doch auch mit dem Rennrad oder Tourenrad lohnt sich Kreta!


Es gibt zahlreiche Verleihstationen auf der Insel. Offseason würde ich kein Rad vorab buchen, sondern vor Ort die Angebote vergleichen. Da mir vorab allerdings mitgeteilt wurde, es herrsche MTB-Hochsaison während meiner Reisezeit buchte ich das „Deluxebike“. Es handelte sich um ein vier Jahre altes 26er Scott Hardtail. Technisch im Ordnung und sicher ein gutes Rad. Man merkte ihm seine Jährchen allerdings etwas an (Gummi spröde, etwas Rost an den Stränden). Wäre es nicht schon bezahlt gewesen, hätte ich hier auf jeden Fall verhandelt. Die Auswahl an verschiedenen Modellen samt Trekking-und Rennrädern ist jedoch top. Sogar ein E-Bike kann ausgeliehen werden.


Tourempfehlungen gab es leider nicht, weshalb ich komplett auf Onlineportale angewiesen war. Nach etwas Recherche wurde ich schnell fündig. 45 km und 1.400 HM wurden mir vorgeschlagen. Das klang fies. Zu fies für den ersten Tag. Also versuchte ich mit outdooractive selbst zu planen. In der Theorie klappte das wieder einmal perfekt. Gespeichert, aufs Garmin geladen und los ging’s. Leider sah die Realität dann doch etwas anders aus: Zäune kannte ich bereits vom wandern, doch hier war ich bereits beim Öffnen skeptisch. Bestätigt wurde diese Skepsis dann als ein Hund, der gut mein Gewicht hatte, bellend angerannt kam. Nachdem die erste Panik überwunden war, hieß es also sehr vorsichtig den Rückzug anzutreten. Mehr oder minder glimpflich glückte dies auch. Das hatte mit der Tourenplaner natürlich nicht angezeigt. Also zurück zur Straße und ganz old school den Schildern folgen. Wenngleich das dann leider fernab von Mountainbiken war.


Die nächste Tour wurde wieder online geplant. Laut Karte ausschließlich auf Straßen. Die Straßen stellten sich dann ganz zu meiner Freude als befestigte Pisten raus. Sehr fein… bis wieder zwei Hunde angerannt kamen. Zum Glück war ich diesmal in Schussfahrt und konnte schnell an ihnen vorbei. Doch bei der Rückfahrt bevorzuge ich doch die Straße. Dennoch dieser Abschnitt inmitten der Oliven- und Orangenplantagen war wunderschön. Das Ausflugsziel lautete diesmal Labba. Ein wirklich süßes Örtchen, das ein venezianisches Mosaik aus dem xx. Jahrhundert aufweisen kann. Auch ein paar nette Wasserfälle gibt es in unmittelbarer Nähe.


Auf Sonne folgt Regen… deshalb ließ die heiß ersehnte Inselquerung dann etwas auf sich warten. Aufgrund der Länge wurde diese direkt auf der Straße geplant. Das einzige, was ich hier bereute, war die Tatsache diesen genialen Track nicht mit dem Rennrad abfahren zu können. Von Rethymnon geht es zunächst wenig spektakulär lange bergauf ins Landesinnere. Die anfangs noch stark befahrene Straße wird zunehmend ruhiger und dadurch angenehmer zu fahren. Es folgt eine lange Abfahrt mit herrlichen Ausblicken. Ab dem Abzweig nach Preveli wird es nochmals ruhiger und vor allem eines: Spektakulär! Nachdem ein Dörfchen durchquert ist geht es hinab in eine Schlucht. Das Gefühl dort hinab zu sausen ist einmalig! Nach einem kurzen Anstieg geht es weiter hinab ins Tal. Dort angekommen lohnt sich die Einkehr in der Taverne an der venezianischen Brücke. Oder man fährt direkt weiter und nimmt den letzten Anstieg zum Aussichtspunkt in Angriff. An einem in der Nebensaison nur zu einem Bruchteil belegten Parkplatz kann man das Rad dann stehen lassen. Versierte Biker können hier aber auch noch ein kleines Stück Trail fahren. Meine Fahekünste ließen das dann aber nicht sonderlich weit zu. Also das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Es ist aber auch nicht wirklich weit bis zum Aussichtspunkt auf den Preveli Beach samt Flussmündung und Palmenhain. Und das Gefühl gerade eben von Nord nach Süd gefahren zu sein tut sein übriges. 🙂 Ach ja, keine schlimmen Steigungen, ca. 80 km und etwa 1.300 HM. Hier aber eine ganz klare Empfehlung mit dem Renner zu fahren.


Motiviert von dieser genialen Tour sollte nun also die MTB-Runde in Angriff genommen werden. Von Rethymnon überwiegend auf Schotterpisten zum Potami-Stausee. Dort dann etwas abkürzen und an der Straße zurück. Was für eine Tour. Hier ging es richtig steil hoch wie runter. Auch wieder an Hunden vorbei. Diesmal aber friedlichen Gesellen. So sehr ich Hunde mag, die kretischen machen mir zu oft Angst. Jedes Mal nachdem sie passiert sind, brauch ich noch ein wenig um den Puls wieder zu beruhigen. Die Abfahrt auf dem Schotter ist dank dem heftigen Sturm die Tage zuvor sehr zerfurcht und erfordert volle Konzentration. Am Stausee geht es dann ein kurzes Stück an der Straße entlang bevor man wieder mutterseelenallein auf einem Schotterweg am See entlang fährt. Begleitet wird man nur von Ziegen, hierSchafen und hier auch sehr vielen bunten Bienenkästen. Nach der Umrundung wähle ich abermals den einfachen Weg zurück. Die insgesamt nun 1.200 HM reichen ja auch irgendwie. 😉


Radfahren auf Kreta lohnt sich auf jeden Fall. Wer Hunde erfahren ist, dem sei auch das Mountainbiken empfohlen – oder man bucht eine geführte Tour. So schön die Tour zum See auch war, so schmerzhaft habe ich doch einen Renner vermisst.

Wandern auf Kreta: Unterwegs auf dem E4

Nach der Fernreise im vergangenen Jahr, sollte der diesjährige Urlaub nicht ganz so sehr zu Buche schlagen. Für einen Sonnenanbeter und Meerliebhaber wie ich es bin, kamen da gar nicht so viele Ziele in Frage. Ende Oktober/Anfang November herrscht in den meisten europäischen Reisezielen doch verstärkt Regen und auch das Meer ist oft nicht mehr warm genug, um Frostbeulen wie mich zum baden zu bewegen.

Nach intensiver Analyse (10minütiger Vergleich der Sonnenstunden und Wassertemperatur) war die Entscheidung gefallen: Kreta sollte es diesmal werden. Auch die bergige Landschaft war ein großer Pluspunkt für die Mittelmehrinsel – und auf Sizilien war ich schließlich schon. 😉

Nachdem Flug und Unterkunft dank skyscanner.de und Expedia schnell gefunden waren, beschäftigte ich mich mit dem Freizeitangebot vor Ort. Ein Radverleih war schnell gefunden, doch die Infos zum Wandern waren recht diffus. Ein Wanderführer musste also her. Ich entschied mich, den des Michael Müller Verlags zu kaufen und lieh mir später zusätzlich den Rother beim DAV aus. Die Schwierigkeitseinstufungen sind in der Regel für Nichtwanderer, weshalb ich meist die wirklich harten Touren raussuche, um auf meine Kosten zu kommen. So sollte es auch diesmal sein. Nachdem sich die Anreise zum Gipfel des Psiloritis zu umständlich gestaltete und die Temperaturen dort oben (es geht immerhin auf gute 2.500m) weniger meiner Komfortzone entsprechen, sollte es eine Küstenwanderung auf dem europäischen Fernwanderweg E4 werden.

Fernwanderweg E4

Die Anreise zum Startpunkt in Chora Sfakion (Sfakia) von Rethymnon im Norden aus erfolgte mit dem Bus (Umstieg in Vrisses). Nach etwa 2 Stunden (mit Wartezeit in Vrisses) zum Teil spektakulärer Fahrt konnte es dann endlich losgehen. Der erste Teil der Wanderung verläuft zunächst auf einer wenig befahrenen Straße bevor der Weg dann auf einen Küstentrail führt. Diesem folgt man zum malerischen Fischerdörfchen Loutro, das ausschließlich per Pedes oder mit dem Boot zu erreichen ist. Unterwegs passiert man wunderschönen Sweetwaterbeach. Buddelt man dort wenige Zentimeter tief stößt man direkt auf Süßwasser, das angeblich sogar Trinkwasserqualität hat. Ein wirklich tolles Phänomen so nah am Meerwasser!

Loutro

Von Loutro führt der Weg dann lange über eine strauchige Ebene bevor es hinunter an einen schwarzen Kiesstrand geht. Nach weiteren 4 Kilometern ist das Zwischenziel Agia Roumeli am Ausgang der berühmten Samaria Schlucht erreicht. Außerhalb der Hauptsaison war es sehr einfach spontan ein günstiges Zimmer zu bekommen. Essenstechnisch empfiehlt sich die Taverna Rousios – besonders Vegetarier kommen hier auf ihre Kosten (die veg. Moussaka ist ein Traum).

Sunrisehike

Da man Ende Oktober auch auf Kreta nicht mehr ganz so lange Tageslicht hat, musste die nächste Touretappe zwingend mit dem Sonnenaufgang starten. Die angeblich härteste Etappe des E4 führt auf gut 18 Kilometern und 1.400 HM von Agia Roumeli nach Sougia. Das Schöne und gleichzeitig Fiese: Es gibt unterwegs keine Anlaufpunkte, keine Tavernen, Brunnen, etc. Aus diesem Grund muss unbedingt ausreichend Wasser mitgenommen werden. Ich schleppte also brav – wie überall empfohlen wurde – meine 5 Liter Wasser mit. Da ich meist nicht so sehr schwitze und die Temperaturen trotz knallender Sonne für mich gut auszuhalten waren, brachte ich letztlich 1,5 Liter mit nach Sougia. Aber lieber zu viel als zu wenig mitnehmen!

Domata Beach

Die Etappe startete mit einem steilen und langen Anstieg über Ziegenpfade. Am höchsten Punkt angekommen geht es über einen Sattel und durch einen Wald hinab zum Domata Strand. Dieser schwarze Sandstrand ist mit seinen steil abfallenden hellen Felsen ein herrlicher erster Stopp. Nachdem dortigen Frühstück (ich entschied mich für Bananen, Käse und Reiswaffeln nebst der Dauerverpflegung Studentenfutter) muss das Kiesbett einer Schlucht gequert werden bevor der Weg wieder etwas ansteigt und parallel der Küste entlang führt. Nach etwa fünf Stunden Gehzeit folgte mein persönliches Highlight der Tour: Die doch recht lang andauernde Schlüsselstelle der Etappe. Auf mehreren hundert Metern geht es stets doch recht steil nach unten und die Hände kommen regelmäßig zum Einsatz. Sehr fein! Aufgrund dieses Abschnitts und der nicht zu unterschätzenden Gesamtlänge wird die Tour ausschließlich erfahrenen Wanderern empfohlen. Die meisten Beschreibungen sollen vor allem Unerfahrene abschrecken; mich sprachen sie geradezu an. 🙂 Dennoch würde ich sagen, dass mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit diese Etappe auch von weniger Erfahrenen gut gemeistert werden kann.

Fernwanderweg E4

Auf diesen Tourenabschnitt folgt ein weiteres Highlight. Es geht über den Sedoni Beach direkt am Meer entlang über diverse Felsen. Wem es zu heiß ist, der kann sich direkt im Wasser abkühlen. Nach diesem tollen und abwechslungsreichen Abschnitt geht es hinein ins Landesinnere. Zunächst der Tripiti Schlucht folgend, dann links (steil) zu einer kleinen Kapelle aufsteigend. Die Kapelle selbst erreicht man nur über einen weiteren Zubringer, den ich jedoch nur bei ausreichend Sonnenlichtm also z.B. im Mai/Juni, empfehlen würde. Über den Sattel gelangt man zu den Ruinen einer venezianischen Festung. Ab dort führt der Weg wieder durch ein bewaldetes Gebiet hinab. Landschaftlich folgt nun ein Teil, der mein Trailrunnerherz höher schlagen lässt. Zu schade, dass ich nicht die richtigen Schuhe unter meinen Füßen und wahrlich nicht den idealen Rucksack hierfür habe. Wobei ich rein konditionell wohl eher nur noch zum traben zu gebrauchen war. Nach dem Abstieg schlängelt sich der Weg etwas abseits der Küste und mit nicht mehr allzu heftigen Steigungen Richtung Sougia. Doch es zieht sich!

Nach 11 Stunden Gehzeit bleibt doch noch etwas Sonnenlicht um einmal kurz baden zu gehen und die Strapazen des Tages hinfort zu waschen. Auch in Sougia lässt sich problemlos eine hübsche und nicht allzu teure Unterkunft finden. Sogar eine Strandbar mit Kamin gibt es dort. Das ist alles, was mein müder Körper sich wünscht – denn nachts wird es doch etwas frisch und ich habe nur das nötigste an „Alltagskleidung“ eingepackt. Bevor es am nächsten Morgen mit der Fähre zurück geht sollte man unbedingt am Kiosk vorbeischauen, wo es auch die Bustickets zu kaufen gibt. Dieser Kiosk hat nämlich eine tolle Auswahl an Gebäck, Kaffee und (wie fast überall auf Kreta) frisch gepressten Orangensaft.

Samaria Schlucht

Die Fähre bringt mich zurück nach Agia Roumeli. Anstatt jedoch hier 1 Stunde auf die Weiterfahrt zu warten, zieht es mich in die berühmte Samaria Schlucht. Auch hier gibt es einen wunderschönen Wanderweg, der in die Weißen Berge (Lefka Ori) hinauf führt. Da dort jedoch der letzte Bus bereits am frühen Nachmittag fährt, kann ich diese Wanderung nicht machen und luge stattdessen nur etwas in die Schlucht hinein. Um genau zu sein bis zu den Eisernen Pforten. An der engsten Stelle sind die Felswände nicht einmal vier Meter voneinander entfernt! Zu dieser Stelle ist es von Agia Roumeli aus etwa eine Stunde Fußmarsch. Danach geht es noch ein wenig weiter hinein. Da das nächste und letzte Boot allerdings um 17 Uhr abfährt und noch etwas Entspannung am Strand eingeplant ist, gehe ich nur noch bis zum Rastplatz bei Metamorphosis. Auch ein Ranger ist dort mit seinem Pferd unterwegs. Nachdem am Brunnen die Wasservorräte nochmals aufgefüllt wurden geht es auf dem selben Weg wieder zurück und an den dunklen Sandstrand von Agia Roumeli, wo ich auf die Fähre nach Sfakia warte.

Samaria Gorge

Alternativ wäre die Rückfahrt auch mit dem Bus ab Sougia möglich gewesen…doch die Bootsfahrt (oder besser zwei) wollte ich mir nicht nehmen lassen!

Eine weitere schöne Wanderung, die perfekt als Trailrun absolviert werden kann, ist übrigens die Rundtour durch die Mili Schlucht bei Rethymnon aus dem oben erwähnten Wanderführer.

Hike Selfie

Hier noch einmal die wichtigsten Fakten zu den beiden Tagesetappen auf dem E4:

Tag 1
Start: Chora Sfakion (Sfakia)
Anreise: Bus ab Chania oder Rhetymnon, vgl. Webseite
Zwischenziel: Agia Roumeli via Loutro
Länge: 21 km, ca. 800 HM
Gehzeit: ca. 8 Stunden
Markierung: E4 Stangen, gelb-schwarze Striche, Steinmännchen
ACHTUNG: kaum Schatten unterwegs
Übernachtungstipp: Taverna Tarra
Einkehrtipp: Taverna Rousios

Tag 2
Start: Agia Roumeli
Ziel: Sougia via Domata Beach
Rückfahrt: Fähre nach Sfakia, vgl. Webseite
Länge: 18 km, ca. 1.400 HM
Gehzeit: 11 Stunden
Markierung: Steinmännchen, gelb-schwarze Striche, E4 Stangen und Schilder
ACHTUNG: Keine Verpflegungsstellen, zum Teil sehr sonnig
Übernachtungstipp: Lissos

Unbedingt mitnehmen
Bargeld
Handy
Erste-Hilfe-Set
Kamera (od. Handykamera)
Wanderstiefel und -stöcke für Tag 2
Bikini / Badehose
Verpflegung, Wasser
GPS-Gerät

Fernwanderweg E4

Göteborg – ein Kurztrip nach Schweden

Nach dem tollen Radrennen in Hamburg hieß es für mich direkt nach dem Duschen wieder Koffer packen. Noch am Abend startete meine Fähre von Kiel nach Göteborg.

Möwe an Bord

Früher sind wir oft mit der Fähre von Genua nach Korsika gefahren. Während dem Studium fuhren wir auf einer Exkursion von Dänemark nach Norwegen. Alle Touren habe ich geliebt. Das Meer übt eine wahnsinnige Faszination auf mich aus. Aber so geht es sicher vielen. Auf dem Meer einzuschlafen und aufzuwachen hat da natürlich noch einmal einen ganz besonderen Reiz. Da am Sonntag die günstigsten Kabinen bereits ausgebucht waren, sah ich mich also gezwungen eine der 20 € teureren Außenkabinen mit Meerblick zu buchen. Hach. Ein Traum und v.a. eine lohnende Investition!

Sonnenuntergang von der Kabine aus

Spannende an der Überfahrt war vor allem das Ein- und Auschecken mit dem Fahrrad. Hier geht man über den normalen Zugang für PKW und LKW auf die unterste Ebene der Fähre und befestigt das Rad mit Spanngurten an einem Geländer. Das lange Anstehen darf man sich zum Glück sparen und den motorisierten Gefährten vorbeigehen. Was für ein Gefühl, wenn sich die Luke vor einem öffnet und du als erster das Schiff verlässt!

Sucht das Fahrrad!

In Göteborg angekommen wartete schon ein leckeres Frühstück samt Kanelbullar auf mich – natürlich nicht im Restaurant, sondern stilecht wie es sich für Outdoorer gehört als Picknick auf einem Felsen.

Fähre nach Styrsö

Da ich nur 2 Tage in der knapp 500.000 Einwohner starken Stadt hatte, sollten diese voll ausgekostet werden. So ging es direkt weiter in den Schärengarten. Ab Göteborg kann man mit der Tram bis Saltholmen fahren und ab dort mit dem selben Ticket weiter mit der Fähre in die Schären. Dort bietet es sich an auf einer oder mehrern Inseln eine kleine Wanderung zu unternehmen. Mich zog es nach Styrsö, denn hier gibt es gleich drei Fähranleger und ich konnte somit von einem anderen Ort zurückfahren.

Ein Dach aus Blättern

Meine kleine, aber feine Wanderung führte mich von Bratten über den Naturstig zur Südküste und dort der weiß-grünen Markierung folgend nach Tangen. Die Tour dauerte circa 1,5 Stunden, mit den vielen Fotopausen natürlich etwas länger. Für Fleißige gibt es auch einen Outdoorfitnessparcours unterwegs. Das besondere: Alle Geräte sind aus Holz. Man stemmt also Baumstämme.

Wanderung auf Styrsö

Der nächste Tag brachte noch etwas mehr Sonne und somit beste Bedingungen zu paddeln. Schon klasse, wenn die Leute, die man besucht, Faltkajaks haben, die man einfach und unkompliziert im Auto oder ÖPNV transportieren kann! Der Aufbau dauert pro Kajak auch nur ca. 10-15 Minuten. Lediglich 15 Minuten Fahrt von Göteborg erschließt sich einem das Gebiet rund um den Delsjön, ein verzweigter See, der sich hervorragend bepaddeln lässt.

Paddeln in Schweden

Auf so viel Natur musste vor der Abfahrt am Abend noch etwas „Stadt“ folgen, weshalb wir noch gemütlich am Hafen zusammen saßen.

Chillen in Göteborg

Ach ja, zum shoppen eignet sich Göteborg auch bestens. Und auch die Preise sind absolut okay. Vor allem mit Outdoorsachen kann man sich gut einkleiden – da ist die Auswahl deutlich größer als in Deutschland (oder zumindest Heilbronn). 😉

Sri Lanka – Das pure Leben!

Dank des Umzugs waren wir sage und schreibe bis in den Oktober mit Renovierungsarbeiten (so eine Küche ist ein wahres Projekt!) beschäftigt. Der Jahresurlaub rückte immer weiter in die Ferne – im Dezember war es dann aber endlich so weit. Nach der Beratung einer reisefreudigen und v.a. -erfahrenen Freundin sollte es nun also nach Sri Lanka gehen. Wie in tropischen Ländern so üblich fielen hier im Vorfeld zahlreiche Impfungen an – diese sind jedoch nur von Nöten, wenn man wie wir ausschließlich die Öffentlichen benutzt und in einfachen Unterkünften übernachtet. Bei Hotelaufenthalten ist etwa nur ein Drittel der rund acht Impfungen empfohlen.

Unser Trip führte uns über Negombo (in unmittelbarer Nähe zum Flughafen) nach Mirissa im Süden der Insel, die übrigens nur so groß wie Bayern ist. Dieses kleine Örtchen ist voll im touristischen Aufwind. Whale watching (nicht gemacht, aber anscheinden Walgarantie im Winter), Schnorcheln (Muränen, Seeschlangen, große Fische), Tauchen (nur bei einer längeren Phase guten Wetters empfehlenswert) und Surfen (Reefbreak) sind die Hauptattraktionen dort. Laut unserem Reiseführer sollte es dort nur wenige Touristen geben und recht ruhig sein…leider mussten wir feststellen, dass diese Information veraltet war. Heute lebt der Ort vom Tourismus und dennoch hat es sich v.a. am Strand einen Charme bewahrt, den wir an keinem anderen Fleckchen so wiederfanden.

Mirissa

Nachdem ich zwei Tauchgänge gemacht hatte, beschloss Dirk ebenfalls einen Tauchschein zu machen. Aufgrund der größeren Auswahl an Tauchspots fuhren wir nach Hikkaduwa an die Westküste. Hikkaduwa ist ein absolut touristischer Ort, der leider auch stärker unter dem Tsunami gelitten hat, weshalb im Norden nicht wirklich viel Strand übrig blieb. Leider bot die Tauchschule in den vier Tagen gleich zwei Mal dieselben Tauchgänge an, weshalb ich nur an zwei Tagen (4 weitere Tauchgänge) mit fuhr. Die Wracks waren recht schön, doch die felsigen Spots eher fisch- und v.a. korallenarm. So ging ich die anderen beiden Tage fleißig schnorcheln: Einmal schwamm ich etwa 20 Minuten mit zwei Meeresschildkröten, ein anderes Mal sah ich sogar einen kleinen Riffhai.

Turtle

Nach dem Trubel zog es uns wieder an einen ruhigeren Strand, weshalb wir nach Polhena fuhren. Da wir kurzfristig Leihräder bekamen, unternahmen wir einen leicht abenteuerlichen Ausflug per Velo zum Leuchtturm in Dondra. Da sich Fußgänger, Radfahrer, Roller, Tuktuks, Autos und Busse teilweise eine Spur auf der Fahrbahn teilen müssen, könnt ihr euch vorstellen, wie chaotisch es teils in den Straßen ist. Dazu schaffte ich mit meinem einen Gang auch die etwas stärkeren Anstiege partout nicht und musste schieben. Und dennoch war es ein solch wunderbares Gefühl von Freiheit mit dem Rad unterwegs zu sein. Dondra ist okay, aber sicher kein absolutes Muss auf einer Reise durch Sri Lanka. Dennoch ist es spannend zu wissen, dass zwischen dir und der Antarktis nur der weite Ozean ist. Polhena hat als Ort übrigens nicht viel zu bieten, verfügt jedoch im Norden über einen wunderschönen Strand.

Polhena

Über die begehbare Buddha-Statue in Wewrukannala Raja Maha Viharaya fuhren wir weiter nach Embilipitiya, von wo aus wir zwei Touren für den 24. und 25. Dezember geplant hatten.

Buddha

Am Heiligen Abend also machten wir eine Regenwaldtour im Sinharaja Rainforest– nur dass der Regen ausblieb. Wir vermuten, dass wir noch viel tiefer in den Wald hinein gemusst hätten, um den wahren Regenwald zu erleben. Doch auch so hatten wir einen tollen Tag mit einer schönen Wanderung und die Blutegelbisse blieben zum Glück aus, wenngleich es sich einer bereits auf meinem Schuh bequem gemacht hat. Neben Doktorfischen gab es einige Echsen und ein Chamäleon, Spinnen und eine grüne Viper zu sehen. Die spuckenden Frösche sind leider nur nachts aktiv, weshalb wir nur ihre Überreste in Form von dicken Spuckebatzen sehen konnten. Doch die Lianen und Wasserfälle entschädigten dies.

grüne Viper

Am 25. hieß es abermals früh aufstehen, um bei Sonnenaufgang im Nationalpark Uda Walawe zu sein. Neben leider vielen anderen Safarijeeps sahen wir zahlreiche Elefanten, Wasserbüffel, Pfauen, ein Krokodil, Adler, Papageien und Wasservögel. Doch am meisten beeindruckte mich wie sehr sich all die Tiere bereits an die Fahrzeuge gewöhnt hatten. Wir waren wirklich zum greifen nahe an all den Tieren dran.

Uda Walawe

Am selben Tag fuhren wir schließlich noch weiter ins Landesinnere nach Ella. Dieses überraschend touristische und westlich wirkende Örtchen bietet zahlreiche Wandertouren in der Umgebung. So machten wir uns am 26.12. daran den Ella Rock zu besteigen. Besonders spannend bei dieser Wanderung ist, dass man zunächst den Bahngleisen folgt, die hier neben ihrer eigentlich Funktion auch als Wanderweg fungieren. Auf dem Rückweg gönnten wir uns noch einen Smoothie (oder dort einfach Juice). Auf Sri Lanka gibt es nahezu überall frisch zubereitete Smoothies aus den exotischsten Früchten. Yammie.

Ella Rock Railway Walk

Abends gingen wir noch zur Nine Arches Bridge. Das besondere hier: Man ist auf du mit den vorbeifahrenden Zügen. Tatsächlich war nur ein Bruchteil der Leute, die dort auf den Zug warteten, Touristen. Man hatte fast den Eindruck, dass auch für die Einheimischen der vorbeifahrende Zug das absolute Highlight ist.

Nine Arches Bridge

Am nächsten Tag machten wir einen kurzen Morgenlauf zum Little Adam’s Peak, von dem aus man gut zum Ella Rock sehen kann. Da coole an der Strecke: Man läuft (wie auch zum Ella Rock) mitten durch die Teeplantagen. Am Schluss geht es noch einige Treppen hinauf. Nachdem es den ganzen Tag regnete, verbrachten wir den Tag vor allem damit, die weiteren Tage zu planen und fuhren abends weiter nach Pattipola, von wo es morgens nach Horton Plains und World’s End gehen sollte.

Running Little Adams Peak

Aufgrund eines Missverständnisses am Telefon standen wir jedoch um 22:30 Uhr im stürmischen und sehr verregneten Pattipola am Bahnhof und wussten nicht wohin. Der Ort ist so klein, dass es keine Hotels oder Pensionen, sondern nur Privatzimmer gibt. Nachdem in dem einzigen verfügbaren Haus bereits ein Blutegel darauf wartete unsere Bekanntschaft zu machen, gingen wir zurück zum Bahnhof mit dem Plan, den ersten Zug zu nehmen. Eine Wanderung bei diesem Wetter erschien wenig sinnhaft, v.a. wenn man 15 $ Eintritt für den Nationalpark zahlen muss. Am Bahnhof angekommen rettete uns der Stationmanager, indem er uns in einen separaten, sauberen Warteraum mit Sofa und extra Toiletten brachte. Hier ließ es sich zum Glück ganz gut aushalten. Da es einfach nicht aufhören wollte zu regnen, fuhren wir morgens weiter nach Nuwara Eliya.

Post Office Nuwara Eliya

Dieser Ort liegt auf 1.800m Höhe und ist wohl der Kälteste der Insel. Leider hatten wir dazu auch noch viel Pech, denn es regnete die beiden Tage fast durch – und dass im eigentlich sonnigsten Monat des ganzen Jahres. Der Klimawandel ist auch hier spürbar. Doch sobald man etwas weiter ins Tal geht/fährt, stellt sich heraus, dass die Wolken alle oben festhängen. Bei unserem Besuch der Bluefields Tea Factory probierten wir uns bei strahlenden Sonnenschein durch die verschiedenen Teesorten. Da wir nun anstatt des geplanten einen Tages zwei in diesem Ort verbrachten, machten wir am nächsten Tag einen längeren Spaziergang und planten den weiteren Verlauf der Reise. Abends gab es dann noch original italienische Pizza für ca. 6 € – eines der besten und definitiv das teuerste Essen, dass wir auf Sri Lanka aßen. Eine willkommene Abwechslung zu Reis & Curry, das zwar extrem lecker, aber irgendwann doch etwas langweilig ist.

Zugfahrt

Am nächsten Tag fuhren wir früh los, da uns eine lange Reise bevorstand. 8 Stunden Zugfahrt über Kandy nach Colombo und im Anschluss eine Busfahrt von etwa 4 Stunden. Da das Zugfahren jedoch so einmalig ist (offene Türen erlauben „Trittbrettfahren“), kam uns die Fahrt gar nicht soooo lange vor. Generell ist man auf Sri Lanka stets sehr lange und langsam unterwegs. Die wunderschöne Landschaft entschädigt dies jedoch.

Dritte Klasse

Die Busfahrt am Abend war weniger schön, dafür wie immer gespickt mit halsbrecherischen Überholmanövern. Doch unsicher fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt in keinem Bus! Die Fahrer sind schließlich nicht das erste Mal mit ihrem Gefährt unterwegs und achten (im Vergleich zu vielen anderen Ländern) viel mehr auf alles um sie herum. Gegen halb zahn kamen wir dann schließlich in Kalpitiya an. Dieser Kitesurfort bietet neben dem rasanten Wassersport noch Delfin- und Schnorchelausflüge an. Nachdem ich den Jahreswechsel glatt verschlafen hatte, ging es morgens also mit einem kleinen Boot hinaus aufs offene Meer. Nach etwa einer Stunde sahen wir dann auch endlich Delfine. Doch nicht etwa nur ein paar, nein wir befanden uns mitten in einer Schule von mind. 50 Tieren, die munter sprangen und eine teils tollkühne Luftakrobatik boten. Einige schwammen direkt an unserem Boot vorbei, so dass ich große Lust bekam, einfach ins Wasser zu springen.

Delfine

Da das an dieser Stelle jedoch nicht gewünscht ist, fuhren wir weiter zum Schnorchelspot. Dort gab es zwar keine Delfine mehr, dafür aber ein wunderschönes intaktes Korallenriff. Schade nur, dass es bald anfing zu regnen. Nachdem mein Rücken die lange Humpy-Bumpy-Bootsfahrt irgendwie mit einem wahnsinnigen Muskelkater überlebt hatte, liefen wir nachmittags noch zum Strand und sahen den wenigen Kitern zu, in der Hoffnung, dass es am nächsten Tag mehr Wind gäbe. Leider brachte dieser aber nur etwas Regen und kaum Wind, so dass wir nur eine kleine Laufrunde einlegten. Der Auffrischkurs lässt also noch auf sich warten.

Schnorcheln

Abends mussten wir dann leider auch wieder zurück nach Negombo, da nachts unser Rückflug startete. Überraschenderweise war es der Fluggesellschaft jedoch nicht möglich unser Gepäck beim Umstieg schnell genug zu tranportieren, weshalb wir kurzerhand nicht weiter durften und den Tag gezwungenermaßen in Abu Dhabi verbrachten. Wenngleich ich sehr verärgert war, noch einen halben Tag mehr Urlaub nehmen zu müssen, so bin ich doch froh, die wunderschöne Scheich-Zayid-Moschee gesehen zu haben.

Moschee

Zusammenfassend kann man festhalten, dass Sri Lanka ein extrem herzliches Land mit sehr hilfsbereiten, offenen Menschen ist. Leider ist das Englisch der meisten im einfacheren Sektor nicht wirklich gut, was eine richtige Konversation schwierig macht. Das leckere Essen und die Smoothies und v.a. die günstigen Preise entschädigen dies allemal!

Marokko – Sommer im Winter?

Nach einem langen Jahr fast ohne Urlaub, der über mehr als 5 Tage hinaus ging, war es nun also endlich soweit. Aufgrund eines unglaublichen Schnäppchens sollte es diesmal also nach Nordafrika gehen – genauer gesagt nach Aourir bei Agadir, im Süden Marokkos. Die Entscheidung zwischen Ägypten und Marokko fiel tatsächlich nicht leicht, denn Ltur hielt Mitte Oktober für beide Orte wahnsinnig günstige Reisen bereit.  Weshalb es schließlich Marokko wurde? Aufgrund der voreiligen Meinung, dort mehr Möglichkeiten (Surfen, Kiten, Wandern) zu haben als in Ägypten (Schnorcheln, Tauchen, evtl. Kiten). Wer konnte denn damals ahnen, dass man wirklich nur laaaangsam in Marokko unterwegs ist und ein Tagesausflug zum Wandern fast unmöglich? Geschweigedenn zum Kiten locker 80 Kilometer zurückzulegen wären.

Bei unserer Ankunft wurden wir direkt versetzt und hatten dennoch Glück spontan einen Mietwagen zu erhalten, der kaum teurer, als der ursprünglich gebuchte war. Bereits auf der Fahrt zeichnete sich ab, dass die Laufmöglichkeiten wohl recht begrenzt wären, sahen wir doch einige Spaziergänger und sogar einen Jogger an der Hauptverkehrsstraße. Aufgrund der vielen Hunde, hatte ich dann aber doch etwas Angst alleine zu laufen.

Nach dem Check-In ging es dann direkt ans Meer. Ich habe selten so viel Müll in einer eigentlich unglaublich schönen Landschaft gesehen. Das war wirklich ein Schock für mich! Zunächst vermuteten wir, dass die heftigen Unwetter zwei Wochen vor unserer Ankunft den Müll herangeschwemmt hätten. Doch am kommenden Tag wurden wir eines Besseren belehrt. Angeblich sind es zahlreiche Zugereiste, die so unachtsam mit der Natur umgehen. Es ist wirklich ein Jammer, denn die Gegend hätte so unglaublich viel Potenzial! Und alle Marokkaner, die wir auf dem kleinen Trampelpfad trafen waren wahnsinnig nett. Und doch waren es fast ausschließlich Männer.

Frauen sieht man selten auf der Straße. Entweder sie sind mit ihrem Partner unterwegs oder mit den Kindern einkaufen. Frauen, die sich mit Freundinnen auf einen Pfefferminztee (Nationalgetränk!) treffen, sieht man so gut wie gar nicht. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Doch so vieles ist in Marokko – oder zumindest in Aourir gewöhnungsbedürftig: Auf der Hauptstraße durch den Ort finden sich zunächst fast ausschließlich Fleischer. Mit dem feinen Unterschied, dass hier die halben Tiere offen an der Ladendecke hängen oder man die Hühner noch lebend kaufen kann. Auf diese Fleischer folgen zahlreiche kleine Kioske, an denen es eine Auswahl aus dem Supermarktsortiment und fast immer frisches Fladenbrot gibt. Dazwischen finden sich einige Obst- und Gemüsehändler, Honig und Handwerkskunst. Und ein Ort, den wir fast täglich aufsuchten, eine kleine Oase: Die Patisserie! Nicht aufgrund des Gebäcks, das aber sehr wohl vorzüglich schmeckt, sondern wegen den stets frisch zubereiteten und sehr günstigen Smoothies kamen wir.

Solch ein Smoothie nach einem Tag am Strand und im Wasser ist aber auch lecker! Apropos Wasser. Man sollte den Atlantik im Dezember nicht unterschätzen. Bei frischen 18 Grad war ich doch sehr froh, die Neoprensocken mitgenommen zu haben. Die Wellen waren übrigens dem Winterswell entsprechend zunächst recht groß und die letzten Tage nur um die Mittagszeit (vor der Ebbe) gut zu surfen.

Leider ist derzeit auch die Straße in die Wasserfalloase Paradise Valley gesperrt. Darauf hingewiesen wurden wir allerdings erst 8 km vor der Straßensperre – sprich nach ca. 15 km Fahrt. Das war wirklich extrem schade, denn auf diesen Ausflug hatte ich mich schon besonders gefreut. Die Bilder, die man im Internet hierzu findet, sind ein Traum! So gab es für mich nur Träume während des Schlafs – doch davon hatte ich in dieser Woche mit Sicherheit genug. Auch ein Traum. 😉

Sandra ist unterwegs…

Hier nur ein ganz kurzes Lebenszeichen von mir, da ich gerade ziemlich im Stress bin.

Nach einem traumhaften Outdoor-Wochenende (MTB, Klettern, Klettersteig) in Arco Anfang November brachte ich meinen dritten und nun endlich auch erfolgreichen Badminton-Spieltag mit der 3. Mannschaft des OSC München hinter mich. 🙂 100% gewonnen – so kann es weiter gehen.

Gefolgt von Karneval @Kölle ging es darauf nach Nürnberg ins Café Kraft zur Schwarzlicht-Boulderparty. Und nun plane ich fleißig meinen Umzug nach Heilbronn, wo ich ab Januar als Projektleiterin im Radtourismus des Heilbronner Lands arbeiten werde. Und zugegebenermaßen plane ich auch diverse Abschiedsfeiern. 😉

Doch auch die Nähe zu den Bergen will nochmal gut genutzt werden, weshalb es morgen wandernd auf den Baumgartenschneid geht und Anfang Dezember dann das erste Mal diesen Winter auf’s Board. Yes!

Die heiße Pazifikküste Costa Ricas lockt mit Surfen als Alternative zum Schwimmen

Nach nun 6 Monaten Vagabundendasein stehe ich nun also am Ende meiner Weltreise. Um das gute Wetter noch einmal so richtig auszukosten fuhr ich an die Pazifikküste Costa Ricas. Hier ist das Triathlontraining vor allem eines: sehr, sehr schweißtreibend.

Surfen

Der erste Stopp auf der Nicoya-Halbinsel führte mich nach Montezuma. Doch Montezumas Rache hat mich dort zum Glück nicht heim gesucht. Vielmehr gibt es hier einen wunderschönen dreistufigen Wasserfall. Um dorthin zu gelangen muss man eine mehr oder minder abenteuerliche Wanderung absolvieren. Der Aufwand lohnt, denn oben angekommen, kann man im ersten Sammelbecken baden. Die ganz Mutigen trauen sich sogar trotz einiger Warnschilder den zweiten Wasserfall hinunterzuspringen. Dieses Wagnis wollte ich dann aber doch nicht eingehen. Schwimmen konnte ich in Montezuma leider nicht, da die „Red Tide“ den Ort heimsuchte. Dabei färbt sich das Wasser rot bis braun und riecht nach totem Fisch. Es handelt sich hierbei um eine Algenblüte und das Gesundheitsamt rät davon ab in diesem Wasser zu baden. Heimgesucht wird der Golf von Nicoya normalerweise in den Monaten April und Mai, doch dieses Jahr gibt es schon seit Februar immer mal wieder Tage mit Red Tide.

Montezuma

Auch in Santa Teresa kann man leider nicht schwimmen. Die Red Tide habe ich hier nicht so ausgeprägt erlebt, doch die Unterströmungen sind wirklich sehr, sehr stark und ich würde niemandem raten hier zu schwimmen. Zum Surfen ist der Ort aber bestens geeignet und so absolvierte ich eben Ersatztraining mit viel Paddeln. Denn was gibt es Schöneres als im Wasser zu sein, wenn der Himmel in Blau, Gelb, Orange, Rosa und Rot erstrahlt? Die Sonnenuntergänge sind hier wahrlich traumhaft.
Santa Teresa

Traumhaft schön ist es auch morgens am Strand joggen zu gehen. Möglich ist dies allerdings nur bei Ebbe, doch dann bieten sich einem Laufmöglichkeiten von bis zu 1,5 Stunden! Alternativ lädt auch die „Straße“ (auf der gesamten südlichen Nicoya-Halbinsel gibt es nur Schotterwege mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h!) zum Nationalpark Cabo Blanco ein. Hier sieht man morgens vor allem viele kleine rot-lilane Krabben ihr Unwesen treiben. Auch Brüllaffen, Leguane und Kolibris gibt es en masse. Doch um dies genießen zu können muss man recht früh raus. Die Sonne geht um kurz nach 5 Uhr auf und sobald sie etwas höher steht wird es sehr, sehr heiß. Ich glaube, ehrlich gesagt, dass ich noch nie so sehr geschwitzt habe beim Lauftraining.

Zum Radfahren ist die Gegend rund um Mal Pais/Santa Teresa nur bedingt geeignet. Mit dem Mountainbike ist man zwar gut unterwegs, doch immer nur auf Schotterstraßen zu fahren wird schnell langweilig und Wege in den Dschungel hinein gibt es hier leider nicht. Für alle Erholungssuchenden empfehle ich einen Besuch aber in jedem Fall, da man schnell vom entspannten Pura Vida Lifestyle angesteckt wird und herrlich entspannen kann. Und es gibt sogar einen Direktbus vom/zum Flughafen. Diesen werde ich dann morgen besteigen und ab Freitag wird wieder in Deutschland trainiert.

Eine kleine Zusammenfassung meines Triathlontrainings des letzten halben Jahres werde ich euch beim nächsten Mal geben bevor es dann ans Eingemachte geht. Noch bin ich mir unsicher an welcher Mitteldistanz ich teilnehmen werde, doch bestreiten werde ich sie ganz bestimmt diesen Sommer.

Costa Rica – auch im Landesinneren sehr gute Lauf- und Radbedingungen

Meine Reiseroute sah nach dem Aufenthalt in der Karibik eine Woche im Landesinneren vor.* Hier gibt es zahlreiche Vulkane, Regenwald und vor allem sehr gute Trainingsbedingungen zum Laufen und Rad fahren.

Vulkan Poas

Der erste Stopp sollte der nahe dem Flughafen gelegene Ort Alajuela sein. Der Ort an sich ist im Vergleich zur Hauptstadt San Jose doch deutlich kleiner und echt süß, doch viel mehr auch schon nicht. Ideal gelegen ist er allerdings für einen Besuch des noch aktiven (zumindest räuchernden) Vulkans Poas. Dieser ist definitiv einen Besuch wert. Ich empfehle absolut mit dem Rad hierher zu fahren. Leider musste ich aber aufgrund des Mangels an Rennradverleihen auf den Bus zurückgreifen. Die Strecke ist gut geteert, wenig befahren und bietet gut 1.600 Höhenmeter. Mal von den wunderbaren Ausblicken ganz zu schweigen. Oben angekommen muss man noch 10 USD Eintritt in den Nationalpark bezahlen und etwa weitere 1.000 m laufen bis man am Kraterrand steht. Auf jeden Fall sollte man das Wetter checken, da sich die Fahrt nur bei Sonne lohnt.

Vulkan Arenal

Von Alajuela ging es auch bald weiter nach La Fortuna, der Stadt am Fusse des Vulkans El Arenal. Dieser ist der aktivste Vulkan Costa Ricas und bis vor einem Jahr konnte man hier auch die Lava fließen sehen. Derzeit schlummert er aber und räuchert nur leise vor sich hin. Ein Besuch lohnt aber auf jeden Fall. Auch hier hat man am besten einen zweirädrigen Untersatz und erkundet tretend die Gegend. Im etwas touristischen Ort gibt es sogar mehrere Radverleihstationen und einen Radladen. Aufgrund von Zeitmangel ging ich hier allerdings nur morgens entlang der Straße laufen. Doch selbst um 7 Uhr morgens kamen mir schon zahlreiche Rennradfahrer entgegen. Welch Neid! Auch die Wanderung zum Nachbarvulkan Cerro Chato inkl. Badesee und herrlichem Ausblick auf El Arenal lohnt sich sehr.

Monteverde

Der letzte Stopp im Landesinneren stellte Monteverde dar. Die schnellste Methode hierhin zu gelangen stellt der Bus-Boot-Bus-Transfer dar. Über holprige ungeteerte Straßen geht es zum See, der mit dem Boot überquert wird, und dann wieder über holprige ungeteerte Straßen weiter nach Monteverde. Alternativ kann man die Strecke auch wandern oder mit dem Pferd bestreiten. Es lohnt sich in jedem Fall diesen Weg zu wählen, da der Ausblick einfach unbeschreiblich schön ist. Monteverde an sich ist ein kleiner süßer Ort, der allerdings auch relativ touristisch ist. Berühmt ist Monteverde vor allem für das Canopying oder Ziplining. Hierbei rauscht man mit einem Klettergurt gesichert an Stahlseilen durch die Baumwipfel. Eine wunderbare Art und Weise die Gegend aus der Vogelpersepektive zu erkunden. Auch eine Tarzanswing (ja, man schwingt auch hier in einem Klettergurt gesichert) hin und her gehört dazu. Nur muss man nicht ganz so sicher wie Tarzan sein und keine weitere Liane ergreifen und sich weiterschwingen, sondern wird mehr oder minder sanft von den Guides eingefangen und zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Alles in allem absolut empfehlenswert. Ob sich die lange Hin- und Rückfahrt hierfür lohnt, muss aber wohl jeder für sich entscheiden.

Cahuita National Park

Nun bricht auch schon meine letzte Woche im tropischen Paradies Costa Rica an. Inzwischen bin ich an der Pazifikküste gelandet. Was es dort zu entdecken gibt, und vor allem wie die Trainingsbedingungen hier sind, berichte ich euch beim nächsten Mal.

 * Kleiner Nachtrag zur Karibik: Wer in Puerto Viejo ist, sollte unbedingt auch den Cahuita National Park besuchen. Die 8 km lange Wanderung ist auch bestens mit Laufschuhen zu absolvieren. Vorbei an blauen Schmetterlingen, Faultieren, Leguanen, Waschbären und Brüllaffen geht es durch den Dschungel, während links von einem das türkise Meer glitzert und zum Bad einlädt. Einfach mit dem Bus nach Cahuita fahren. Der Park öffnet schon um 6 Uhr morgens. Dann dem einzigen Weg folgen und am Schluss wieder mit dem Bus zurück nach Puerto Viejo – oder natürlich zurück joggen. 🙂